In den letzten Tagen dominierten ganz eindeutig die Wirtschaftsnachrichten. So auch heute. Abermals dreht es sich bei der NWZ um Jade-Port und Airbus Werke und irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, das sich rein gar nichts bewegt hat. Die Mitarbeiter sind immer noch stocksauer und das Management zieht weiter, wie die berühmte Karawane bei Helmut Kohl. Bemerkenswert ist jedoch, das es die Airbus-Führung jetzt geschafft hat, die deutschen und französischen Gewerkschafter gegeneinander auszuspielen. So beschweren sich die Franzosen, die Deutschen seien schuld an den Verzögerungen beim Bau des A380 und beklagen sich weiter, sie seien dafür mit dem Bau des A320 belohnt worden. Da bestätigt sich mal wieder mein Eindruck, dass die Gewerkschaften noch lange nicht im neuen Jahrtausend angekommen sind, sondern noch immer in alten, national-staatlichen Wirtschaftsmodellen denken und auf Grundlage dieser Theorien handeln. Sie akzeptieren einfach nicht, das es Europa bzw. eine Globalisierung gibt oder gegeben hat. Für die Mitarbeiter wäre es ein Schuss ins eigene Bein, den Bau des A380 zu verzögern und ich traue auch den Deutschen gerade soviel technische Know-How zu, um zu wissen, wie man es verhindert. Französischer Patriotismus hin oder her, das Management wird sich freuen: eine gespaltene Belegschaft dürfte keine große Gefahr darstellen und die geplanten Kürzungen können vermutlich ohne größere Hindernisse umgesetzt werden. Vive la france! Dummerweise begreifen auch die Gewerkschafter auf der anderen Seite des Rheins nicht genau, was hier mit ihnen passiert. Sie werfen den französischen Kollegen lieber vor, Populismus zu betreiben, anstatt das Gespräch zu suchen und den Zwiespalt abzumildern oder auszuräumen. Wenn ich sowas lese, kommt wieder mein alter Wahlspruch zum Tragen: “Wenn jemand sehenden Auges in sein Verderben rennt, bin ich der erste, der noch einmal nach tritt.” Mir fällt beim Besten Willen keine Möglichkeit mehr ein, in dieser Situation noch zu helfen.
Immerhin geht es beim Bau des Jade-Ports mit großen Schritten voran, das Planfeststellungsverfahren wurde beendet, mit dem Bau des Hafens soll vielleicht noch in diesem September begonnen werden. Warten wir mal ab, welcher Kannickelzüchterverein hier noch sein Veto einlegt.