Neue Klampfe
Es mußte einfach sein. Nachdem ich die letzten beiden Monate versucht habe verstärkt Aufnahmen zu machen, und Songs fertig zu stellen, die schon seit mehreren Monaten halbfertig in der Schublade lagen, war für mich klar, das ich meine alte Klampfe nicht mehr werde retten können. Jedenfalls nicht ohne ein halbes Vermögen für Material und einen qualifizierten Spezialisten aufzuwenden. Die Bünde sind runtergespielt, die Elektrik spinnt und sie hält die Stimmung nicht mehr (richtig bundrein war sie noch nie…). Es ist einigermaßen nervtötend mit einem solchen Instrument arbeiten zu müssen; es geht faktisch nicht. Also habe ich mir von meinen Eltern ein Ersatzgerät zu Weihnachten schenken lassen.
Natürlich sind meine Eltern nicht so vermögend, als das sie mir mal eben eine Gibson Les Paul schenken könnten und da ich im Augenblick auch nicht unbedingt der Krösus vom Dienst bin (also auch nicht viel beisteuern konnte), habe ich mal recherchiert, welche Hersteller im Anfängerbereich einen guten Ruf besitzen. Ich bin auf die schweizerische Firma Cort gestoßen. Die wohl hauptsächlich im Auftrag der Großen der Branche Gitarren baut. Das klang für mich reizvoll, denn das erfordert viel Erfahrung und Flexiblität. Heute Fender morgen Gibson und das bitte alles in Meisterqualität. Ich habe dann nach Kundenmeinungen gesucht und nach einem passenden Insturment, welches ich mir schenken lassen könnte. Thomann hatte die Cort Z42 Weinrot im Sortiment über die schon ein paar Erfahrungsberichte vorlagen. Ich habe es letztendlich drauf ankommen lassen, nicht zuletzt der 30-Tage-Money-Back-Option beim Händler meines Vertrauens wegen.
Verarbeitung und Spielgefühl
Mittlerweile habe ich die ersten Songs auf der neuen Klampfe gespielt und bin einigermaßen überrascht. Das Instrument kostet 210 € und ist dennoch ziemlich gut verarbeitet. Alles passgenau gefräßt. Die Saitenlage ist top und das Instrument an sich optimal eingestellt. Allein bei der Bundreinheit habe ich nochmal Hand angelegt, es wäre aber auch ohne diese Maßnahme gegangen. Das Spielgefühl war schon bei den ersten Tönen ziemlich wohlig und hat Lust auf mehr gemacht.
Elektronik
Die W42 kommt mit zwei Humbuckern, für die jeweils ein Lautstärkeregler verbaut wurde. Im Gegensatz zur klassischen Les Paul verfügt sie allerdings nur über einen Toneregler für beide Pick-Ups. Dieser ist allerdings wiederum ein Schalter und ermöglicht das Abschalten einer der Tonabnehmerspulen, so daß man auch über Singel-Coils verfügt. Nettes Gimmick, allerdings nichts für mich. Der Pick-Up-Wahlschalter erfüllt die selbe Funktion wie bei allen Les Paul Klampfen. Alles in allem eine Menge Soundmöglichkeiten für so wenig Geld. Einschränkend muss man aber sagen, das die Pick-Ups an sich etwas wenig “Dampf” haben. Die Ausgangsleistung kommt mir etwas zu gering vor.
Sound
Die Cort ist erheblich dünner als meine alte Klampfe. Ich vermute, das das den klanglichen Unterschied macht. Die W42 klingt wesentlich drahtiger und weniger “bauchig” als eine normale Les Paul. Was mich nicht weiter stört, denn das sorgt auch für mehr transparenz. Ausgeglichen ist der Sound aber allemal, so daß der Klang an sich geschmackssache bleibt. Sie klingt für mich nach einem Mittelding zwischen Tele und Les Paul.
Fazit
Ziemlich gutes Instrument. Die Verarbeitung und das Spielgefühl haben mich überzeugt. Ich habe schon weit mehr Geld für Instrumente bezahlt, die weitaus weniger gut zu bedienen waren. Der Sound ist ausgewogen und transparent, wenn auch nicht so wuchtig und für viele andere vielleicht zu drahtig. Dennoch, wenn Cort tatsächlich immer auf diesem Niveau produziert, dann kann man diesen Hersteller tatsächlich für Einsteiger empfehlen. Als Zweitinstrument oder als Übergangsklampfe (wie bei mir) kann man bei dem Preis nichts falsch machen.



