Nov 11 2009

Nuhr mal so…

Kann eigentlich irgendwer irgendetwas mit dieser neuen Sendung von Dieter Nuhr anfangen? Irgendwie wirkt dieser verkrampfte Versuch dem TV Interaktivität beizupuhlen alles andere als natürlich. Die Eingaben des Publikums sind Nebensache und werden mit ein paar Floskeln und Versatzstücken aus alten Programmen abgebügelt, danach geht es weiter mit dem vorbereiteten Programm. Die Stärke der sogenannten “Neuen Medien” ist ja eher der Dialog; Leserbriefe wurden früher schon geschrieben und gelegentlich verlesen. Das sie heute als Videos reinkommen, kommt zwar dem TV zupass, bringt allerdings keinen Zugewinn an Interaktion, nur billliges Material um die Sendezeit aufzufüllen.

Spontan wüßte ich jetzt auch nicht, was man besser machen könnte, überzeugend waren die letzten beiden Sendungen allerdings nicht.


Jun 23 2009

Piraten im Fernsehen

Nachdem letzte Woche Donnerstag das “Zugangserschwernisgesetz” durch den Bundestag geprügelt wurde, mußte ich mir schon die Augen reiben. Kaum zwei Stunden, nachdem das Gesetz verabschiedet wurde, stand schon der Abgeordnete Strobl auf dem Plan und sinnierte über die Ausweitung der Sperren. Im Vorfeld des Gesetzgebungsverfahrens hiess es noch, es sei ein singuläres Gesetz. Die Tinte des Bundestagspräsidenten auf dem Abstimmungsergebnis ist noch gar nicht trocken, der Bundespräsident hatte noch nicht mal Gelegenheit sich zu äußern, die Bundesdruckerei hatte noch nicht mal eine Vorlage um das Gesetz zu veröffentlichen, schon sind alle Beteuerungen makulatur, die dem Gesetz seinen Schrecken nehmen sollten. Die Halbwertzeit von Politikeräußerungen werden auch immer kürzer. Früher sagte man noch, was interessiert mich mein Geschwätz von Gesetern, heute heißt es wohl: “Was kümmert mich die Abstimmung von vor zwei Stunden?” – Und da wundert sich noch jemand, das einige verschnupft auf die Gesetzgebungsinitiativen der Bundesregierung reagieren, wenn es die Innere Sicherheit betrifft. Wer so dreist lügt und betrügt darf sich echt nicht wundern.

Bemerkenswert fand ich die Diskussion mit dem Vorsitzenden der Piratenpartei Deutschland Dirk Hillbrecht und dem Herrn Scholz auf Phönix. Es stimmt: Die Piraten wurden vorgeführt. Auch hier habe ich mir die Augen reiben müssen, ob des eklatanten Mangels an rhetorischen Könnens seitens Hilbrechts.

Der Moderator fragt, warum Löschen keine Zensur sein soll, Stoppschilder aufstellen allerdings schon. Und der Gute verliert den Faden; versucht zu argumentieren. Das Argument der Gesetzesgegner war aber doch, das es keiner weiteren Gesetze bedarf, da die Bestehenden ausreichen, was der AK-Zensur unter Beweis gestellt hat. Um es im Informatikerjargon zu sagen: Das Gesetz ist redundant. Dafür aber immerhin unwirksam. Weiterhin bleibt es ein Einstieg in die Zensur. Eine Kontrolle der Listen soll nicht stattfinden. Polizisten sind Richter und Henker in einer Instanz. Aufweichung der im Grundgesetz festgeschriebenen Gewaltenteilung. Intranzparenz. Das haben wir doch wochenlang rauf und runter gebetet. Hillbrecht! Man!

Weiterhin versucht der Moderator das Gesezt als wichtiges Symbol zu verkaufen und der Gute springt ihm noch immer nicht an die Gurgel. Richtige Antwort wäre gewesen: I leave symbols to the symbol-minded! Im Grunde entlarvt sich hier die gesamte Diskussion. Die Regierung will nur symbolisch gegen Verbrechen vorgehen. Wie zynisch kann man sein! Ermittlungen? Fehlanzeige. Täter zur Rechenschaft ziehen, weitere Verbrechen verhindern? Medial nicht erwünscht. “Immerhin” ist der Ausruf, wenn man Pralinen will aber nur für Schokolade zu zahlen bereit ist. Wenn man auf den Mount Everest will aber sich mit den Kasseler Bergen begnügt. Immerhin ist keine Kategorie, wenn es um Menschleben geht. Hanebüchen zynisch, sonst nichts.

Im weiteren Verlauf weist Scholz auf die Internationalität von Verbrechen hin und will uns das Gesetz als einziges Mittel verkaufen, um auch gegen Illegales im Ausland vorzugehen. Richtiger Einwand: Nennen sie mir ein Land der Welt, in dem Kinderpornographie oder Mord nicht strafbar wäre. Scholz überlegt kurz, ihm fällt nichts ein und schwupps ist er wieder bei Terroristen. Fuck, here we go again! Waren wir uns nicht einig, das das Gesetz nicht ausgeweitet werden würde? Und außerdem: Wo zur Hölle kommen jetzt schon wieder diese Terroristen her? Seit doch ehrlich: Die versteckt ihr im Küchenschrank, um sie bei passender Gelegenheit herauszuholen, ihnen eine Abreibung zu verpassen und sie dann wieder ins Schränkchen zurück zu stellen, oder? Wollt ihr Verbrechen oder Terrorismus bekämpfen? Oder wird schon die gesamte Gesetzgebung in Deutschland auf den Kampf gegen den Terrorismus ausgerichtet? Wollt ihr den totalen Anti-Terror-Kampf?

Und was zum Geier soll der Einwand mit dem Mordaufruf? Machen wir mal den Analogieschluß: Würde der Aufruf nicht über das Internet, sondern über Satelittenfernsehen verbreitet werden. Wenn also ein Sender wie Al Jazeera zum Beispiel, bei Berichten über Demonstrationen gegen Mohammed Karrikaturen, rein aus versehen natürlich, Demonstranten zu Wort kommen lassen, die den Tot des dänischen Verlegers fordern, der für die Veröffentlichung dieser Werke verantwortlich zeichnet, – das soll es ja schon gegeben haben. -  was würde die Regierung dann machen? Einen Störsender installieren? Den Betreiber verklagen? Diplomaten ausschicken? Den Satelliten abschießen? Der arabischen Welt den Krieg erklären? Ich wette, sie haben nichts unternommen. Selbst wenn: Alles, was die Regierungen in diesem Fall unternommen haben mag, hätte man auch 1:1 auf das Internet anwenden können. Polizeischutz für den Bedrohten zum Beispiel. Doch der Gute sitzt daneben und bekommt kein Wort heraus. Mehr als enttäuschend.

Schwach war auch die Diskussion um das Urheberrecht. Nach diesem Teil wird die Piratenpartei in der öffentlichen Wahrnehmung bis auf weiteres als die Raubkopiererlobby gebrandmarkt sein. Die Diskussion dominieren zwei alternde Herren, die nur grob in Sachen Urheberrechtsgesetz bescheid wissen. Sie tun die Diskussion kurz als “Enteignung” ab und Hellbricht sitzt abermals daneben (er läßt sich von Scholz übrigens wie ein kleiner Schuljunge behandeln, den der Alte einfach noch ein wenig erziehen muss) und kann nur mit Mühe über die verschiedenen Aspekte der Urheberschaft aufklären. Die Trennung nach Namensrechten und Verwertungsrechten ist ihm scheinbar noch nicht so recht aufgegangen. Geschenkt. Viel schlimmer ist versäumt zu haben, das die Diskussion sich um die Privatekopie dreht. Der Einsatz von Werken in Funk- und Fernsehen, allgemein im gewerblichen Bereich (DJs, Messen, Gaststätten etc.) nicht tangiert sein soll. Der Hinweis darauf, das es die GEMA-Abgabe unlängst auch auf Audio-Kasetten gibt, das der Künstler auch heute nicht frei über die Verwendung seiner Werke verfügen kann (jede Gaststätte darf Musik öffenltich aufführen, wenn sie die GEMA-Abgaben gezahlt hat), der schlichte Hinweis: Vielleicht wäre ja die Kulturflat was für sie…ich habe es mir ab dort nicht mehr weiter angeschaut. Es wurde unerträglich.

Gut, man darf wohl nicht zuviel erwarten. Die Piratenpartei ist verdammt jung. Gemessen an der Qualität der Diskussionen im Netz war der Ausflug in Fernsehlandschaft aber wirklich verheerrend.

Nun denn. Ich werde mich wieder auf die Seite legen und morgen wieder an meine Bücher verschwinden. Bis die Tage.