Mai 8 2009

Post von der IHK

Es gibt Tage, da frage ich mich, was in deutschen Chefetagen alles nötig ist, damit Unternehmer in Deutschland ihre IHK-Beiträge bezahlen. Offenbar muss man sie ganz explizit bei ihrer Eitelkeit packen. Der IHK-Umschlag

Lustigerweise ist in niedersachsen die Widerspruchsfrist zu solchen Bescheiden abgeschafft worden, sodaß man prinzipiell sofort klagen müsste. Man soll sich dennoch an die IHK wenden, wenn es Einwände gibt. Das will ich dann gleich mal tun.


Mrz 14 2009

Hagen Rether

Es kommt nicht oft vor, das man auf Veranstaltungen unterwegs ist und direkt Kontakt zu den Künstlern hat. In der Regel sind alle, von der Putze bis zum Künstler, mit ihren Aufgaben beschäftigt und man arbeitet mehr aneinander vorbei als miteinander. Vorgestern war es aber mal anders.

Wir haben Hagen Rether in Vechta gemacht und auch, wenn ich von der Veranstaltung selbst kaum etwas mitbekommen habe, hinterher hat sich der Gute die Zeit genommen, Kontakte zu pflegen und vielleicht Neue zu knüpfen. Mir ist schon häufiger aufgefallen, das viele Künstler scheinbar nur mit sehr viel Arbeit an den Menschen um sie herum, ihren Platz im Geschäft behaupten können. Deutschland ging noch nie gut mit seinen besten Köpfen um. Stefan Gwildis macht es ähnlich. Jeden bemerken, Namen merken, wenn er einen hört, sich auch mal auf ein Schwätzchen einlassen. Ich glaube nicht, das es Methode hat, bzw. es nur den Verkaufszahlen dient. Ich sehe Gwildis und wie er arbeitet seit fast drei Jahren regelmäßig in der Kulti. Vom ersten Konzert vor vielleicht 400 Leuten bis zur Veranstaltung in der Weser-Ems Halle Ende letzten Monat, hat er sich eigentlich nicht verändert. Ich glaube kaum, das man sich über einen solchen Zeitraum hinweg verstellen kann. Der hat wirklich Spaß an seiner Arbeit und wirkt immer etwas dankbar, das es Leute um ihn herum gibt, die ihm diese Arbeit ermöglichen. Das man selbst nach Hause geht und Positives über die Künstler zu berichten weiß, ist dann eigentlich mehr ein Kollateralschaden. Rether scheint da ähnlich zu ticken.

Eigentlich wollte er eine kleine Autogrammstunde abhalten, die allerdings nach fünf Minuten schon wieder vorbei war. Irgendwie konnten die (Wasser saufenden!) Vechteraner nicht so sonderlich viel mit einem plaudernden Blasphemiker anfangen, der fast zwanzig Minuten lang über das christliche Abendland herzieht. Zwei sind sogar nach circa 30 Minuten wieder gegangen, mit dem Hinweis, der Mann sei eine einzige Katastrophe. Verbohrte Katholiken. Das war allerdings gut für uns, denn Hagen hat kurz entschlossen ein paar seiner CD`s signiert und an das Personal verteilt.
Heute bin ich dazu gekommen diese mal durch zu hören. Wie gesagt, Hagen Rether war mir bist dato kein Begriff. Das hat sich aber nach den ersten zehn Minuten hören schlagartig geändert. Der Mann ist herlich Böse und kommt mit einer Beiläufigkeit daher, die die Aufgeregtheiten in der gegenwärtigen Medienlandschaft angemessen kontrastiert. Er ist zu Recht der Träger des Deutschen Kleinkunstpreises 2008.

Der Plan, die eigene Bekanntheit durch etwas Smalltalk zu erhöhen, ist übrigens auch aufgegangen. Jetzt weiß ich, was ich zur Hochzeit nächsten Monat mit nach Berlin nehmen kann. Muß nur noch kurz den Thomas anhauen, das er mir noch ein Signiertes Exemplar besorgt. Einen Promotionsstudenten der Philosophie wird das nämlich auch gefallen. Keine Frage.


Feb 7 2009

Wieder viel in Bewegung

Es war die letzten drei Monate entspannend ruhig, eigentlich zu ruhig. Jetzt kommt wieder alles auf einmal. Gestern haben wir die Firmenauflösung von Event-and-Stage begossen. Sascha wird den Laden an den Nagel hängen und wieder einem geregelten Beruf nachgehen. Er konnte eine sehr gute Stelle bei Haliburton ergattern, die in Wardenburg eine Dependance unterhalten. Er wäre dumm, würde er sie nicht annehmen. Gute Bezahlung, regelmäßiges Einkommen, geregelte Arbeitszeiten…allerdings auch viel Reisen. Dennoch, sicher ein viel entspannteres Leben als der Kulti-Schleudersitz. Die Jobofferte kam genau zum richtigen Zeitpunkt, schließlich wird die Etage ab dem 1. April für ein halbes Jahr geschlossen, das war ohnehin der Stichtag an dem was Neues her mußte. Die ehemaligen Kollegen nehmen es ihm natürlich nicht übel, ganz im Gegenteil. Prinzipiell hätte jeder den Laden weiter führen können, einen Teil der Jobs ist auch direkt an einen anderen Kollegen weiter gegangen, der sich damit jetzt ein zweites Standbein aufbauen möchte. Viel Glück dabei! Obwohl, “Gute Nerven!” ist der bessere Wunsch, in diesem Zusammenhang.

Ansonsten plagen mich gerade die Studiensorgen. Zwar ist die nächste Klausur erst Ende März, dafür kommen dann aber auch gleich drei im Wochentakt, die vom Anspruch her nicht gerad ohne sind. Die technische Informatik ist direkt nach der theoretischen Informatik der größte Klotz in diesem Studium. Sehr weitschweifig und intuitiv nicht gut nachvollziehbar. Ein echtes Fleißfach, das kommt als erstes und beansprucht gerade das meiste meiner Zeit.

Danach kommt dann direkt ein Kurs aus dem Bereich “Wirtschaftsinformatik”. Während des Präsenzstudiums habe ich mich generell über Wirtschaftswissenschaftler lustig gemacht, ich glaube ehedem einfach, weil das alle machten. Das ist die Hackordnung auf dem Campus. Getreu dem Motto: “Wer nichts wird, wird Wirt und wer gar nichts wird: Betriebs- oder Volkswirt.” Mittlerweile bin ich soweit zu sagen: Wirtschaftswissenschaften sind keine Wissenschaften und haben an der Uni nichts verloren. Ich habe noch nie so viel weitschweifige Moppelkotze in derart geballter Form wie in diesem Kurs gelesen. Auf jeder zweiten Seite nichtssagende und/oder überfrachtete Diagramme und Schaubilder, unbeholfen gestelzte Formulierungen, deren einziger Zweck es ist triviale Erkenntnisse durch massiven Einsatz von Fremdwörtern den Anschein von Bedeutsamkeit zu verleihen. Die meiste Zeit verbringt man damit, das Geschwafel zu ordnen, um dann festzustellen: Vertane Zeit. Gelernt habe ich nichts. Jedenfalls nichts was ich entweder schon wußte oder aber was ohnehin nicht von Belang ist. Das meiste ließe sich durch simples Nachdenken ad hoc ergründen. Es bedarf keiner Schriftform, es muß nicht gelehrt werden. Mal ehrlich, wenn das Wissenschaft sein soll, dann ist kacken eine Kunst. Aus meiner Sicht eine Verhöhnung der gesamten Empirie seit der Antike. Normalerweise würde ich höchstens schmuzeln und das Büchlein zurück ins Regal stellen. Dahin wo es hingehört, irgendwo zwischen Esoterik und Groschenromane. Dummerweise muß ich mich in diesem Kurs prüfen lassen. Ich muss den ganzen Mist also durchackern und vermutlich auch noch in genau dieser eigentümlichen Form wiedergeben können, sonst gibt es keinen Schein. Das Problem ist hier also weniger der Anspruch als vielmehr meine latente Weigerung diesen Sondermüll zu bearbeiten. Ich kotze jedesmal im Strahl, wenn ich nur das Deckblatt des Kurses sehe.
Außerdem schweift mir beim Lesen dieser Texte immer der Gedanke durch den Kopf, das es Menschen gibt, die genau dieses Fach viele Semester lang rauf und runter studieren und hinterher auf führende Positionen in Politik und Wirtschaft gelangen. Wenn man sich überlegt, das diese Wirrköpfe aus den Wirtschaftswissenschaften die ganz großen Räder drehen, ist es überhaupt nicht verwunderlich, das wir mal wieder in einer Wirtschaftskrise stecken. Ich könnte mich jedenfalls stundenlang über diese Kackeimer aufregen.

Wie dem auch sei. Der dritte Kurs behandelt die “Grundlagen des BGB”. Den Kurs find ich ausgesprochen praktisch. Vieles ist zwar auch hier bekannt, man geht schließlich tagtäglich mit der Materie um, aber die Juristen haben wenigstens eine stringente und konsequente Logik entworfen, von der sie nicht abweichen. Zwar wirkt dann auch hier vieles ungelenk aber immerhin ist nachvollziehbar wieso. Dadurch das die innere Logik des Ganzen erkennbar bleibt, ist auch einzusehen, weswegen es manchmal ein wenig holprig wird. Das macht das Thema nicht einfacher aber übersichtlicher.

Na und dann, auch wenn ich nicht zu viel schreiben will, steckt mein aktueller Arbeitgeber gerade in einer massiven Umstrukurierungsmaßnahme die für viel Unruhe sorgt, da damit auch Arbeitsplatzabbau einher geht. Es wird sich zeigen, wie sich die Dinge entwickeln. Ich für meinen Teil habe eigentlich keine Kapazitäten mehr frei mir auch noch darum Gedanken zu machen. Ich lasse es einfach auf mich zu kommen. Einflußnehmen kann ich da ohnehin nicht viel.


Jan 9 2009

Ich Ussel…

Da hat man schon die Chance und läßt sie verstreichen, weil man wieder nur von zwölf bis Mittag denkt. Ich habe diese Woche recht kurzfristig eine Lesung von Wladimir Kaminer übernommen und den örtlichen Veranstalter vertreten. Erst als die Crew um und mit ihm die Sachen schon in der Hand hatte und ins Hotel aufbrach fällt mir wieder ein, das ein guter Kumpel von mir sehr gern Kaminer liest und das genau dieser Kumpel Anfang nächsten Monat Geburtstag hat. Es wäre natürlich die Gelegenheit gewesen mal ein personalisiertes Geschenk zu machen und den Kaminer um ein signiertes Expemplar einer seiner Bücher zu bitten. Immerhin hatte ich freien Zugang zum Backstagebereich. Aber nein, der Becker ruft ihm ein Taxi und läßt ihn einfach von Dannen ziehen. Verdammt, ich hätte ihn erpressen können: “Schreib’ oder lauf!” oder sowas in der Art.

Egal. Die Veranstaltung war sehr gut und für eine Lesung auch sehr gut besucht. Wenn man einmal davon absieht, das im Veranstaltungsort selbst etwas zurückhaltend geheizt wurde. Bekommt mein Kumpel halt ein unsigniertes Exemplar…


Dez 23 2008

Abfindungsklagen leicht gemacht

Da erfahre ich neulich und eher nebenbei, das mein ehemaliger Arbeitgeber seine Dependance in Oldenburg schließen wird; kaum vier Monate nach meinem Weggang. Erster Gedanke: “Glück gehabt!” Zweiter Gedanke: “Wie kommen die ehemaligen Kollegen aus der Sache raus?” Durch Nachfragen erfuhr ich, das die Firma bisher darauf verzichtet hat Kündigungen auszusprechen. Stattdessen hat der Fillialleiter einige Ex-Kollegen angerufen und ihnen Mitgeteilt, das die Filliale geschlossen werden wird. Ende Januar.

Für einen Fachanwalt sicher ein gefundenes Fressen: Mißachtung von Schrifterfordernis und der Kündigungsfristen. Kündigung durch konkuldentes Verhalten sozusagen. Die Hauptverhandlung wird 30 Minuten dauern, wovon 20 für die Formalia draufgehen. Ich hoffe, die Kollegen wissen das.

Mein Ex-Arbeitgeber ist vermutlich der Einzige der Welt, der es schafft einen Betrieb still zu legen und dabei vergißt den Mitarbeitern zu kündigen. Schade, das ich nicht mehr dabei bin, eine solche Einladung hätte ich nie ausgeschlagen.


Dez 23 2008

Ich nehm jetzt diese rote Pillen!

“Ich hab da so rote Pillen von meinem Arzt, da muß ich nur draufbeißen und alles wird gut.” Und ich sag noch so flappsig: “Pass auf, das ist bestimmt Zyankali!” Für sich genommen eher ein witziger Dialog, mich beschleicht aber langsam das Gefühl, das da durchaus ein ernster Hintergrund zu vermuten ist. Aber alles der Reihe nach:

Wenn man bei einen seiner vielen Jobs, bei diversen Veranstaltungsagenturen, PA-Verleihern und manchmal in Veranstaltungshäusern auf Leute trifft, die von ihren Arbeitgebern bzw. Mitarbeitern oder Vorgesetzen offenkundig massiv gemobbt werden, sollte man als halbwegs loyaler Mensch hellhörig werden und lauthals protestieren, und zwar mit dem Joker in der Hinterhand als Aushilfsfreiberufler, der eigentlich gut in Lohn und Brot steht, nichts weiter zu verlieren zu haben, als ein paar anstrengender Jobs weniger, die einem die Wochenenden versauen und verhältnismäßig wenig Kohle einbrigen. Wenn man dann auch noch in einem Gesprächsfetzen mitbekommt, das da jemand scheinbar nur noch mit ärtzlichem Beistand in der Lage ist seiner täglichen Arbeit nachzugehen, weil Kollegen ihm laufend Knüppel zwischen die Beine werfen, dann sollten eigentlich alle Alarmglocken läuten und man selbst müßte einer solchen Knochenmühle umgehend den Rücken kehren und ein fröhliches “Schönes Leben noch!” in den Bart murmeln, während man sich wieder seinen eigentlichen Aufgaben widmet. Die Gefahr, das da jemand mit Hilfe der eigenen Arbeit Dritte gesundheitlich ruiniert und vielleicht sogar noch Geld dabei verdient, ist einfach zu groß. Dummerweise war lediglich unser Veranstaltungstechnikermaskotchen in der Lage mehr aus dem Gespräch zu lesen als ich. Ich für meinen Teil habe mich so sehr über die Steilvorlage gefreut, das ich nicht anders konnte als Pillen, die man zerbeißen muß, mit alten Agentenfilmen in Verbindung zu bringen und das auch noch laut in die Runde zu rufen.

Wenn die Pillen keine vom Arzt verschriebenen Placebos waren, handelte es sich vermutlich um ein leichtes Sedativum, denn der Gute hat alle Mühe ruhig zu bleiben, wenn er sich mal wieder Anfeindungen seiner Kollegen gegenüber sieht. Herzrasen, Bluthochdruck vermutlich Schwindelgefüle. Normalerweise würde man sagen: “Reibung gibt es überall…” Sicher und die selben Symptome treten auch bei Menschen auf, die viel Nacht- und Schichtarbeit absolvieren, wie es im Veranstaltungsbereich üblich ist. Also alles ein normaler Zwist zwischen Kollegen? Wenn es nur tageweise vorkäme, würde man nicht mehr oder weniger unverholen mit Kündigung drohen, wenn besagter Kollege nicht die geplanten Umstrukturierungen abnickt, die dazu führen würden, das alle in seine (durchaus verantwortungsvolle) Aufgabenbereiche hineinreden und Entscheidungen revidieren können, ohne dafür entsprechend Verantwortung zu übernehmen. Dies war nämlich genau der Punkt, wo das Herzrasen einsetzte. Man stelle sich das so vor:

Da ist eine Halle, die für 800 Besucher zugelassen ist. Im Zuge der Vorbereitungen für eine Veranstaltung wird von Seiten der technischen Leitung festgelegt, das nicht mehr als 800 Besucher eingelassen werden. Dann stellt sich heraus, das falsch kalkuliert wurde und die Veranstaltung sich erst dann trägt, wenn 1000 zahlende Besucher vor Ort sind. Also wird die Entscheidung der Technik außer Kraft gesetzt und 1200 Karten verkauft. Kommen dann im Laufe der Veranstaltung Menschen zu schaden, würde die technische Leitung für die 400 Gäste, die zuviel in der Halle waren, zur Verantwortung gezogen und das obwohl die Entscheidung nicht einmal von ihr gefällt wurde; von der sie unter Umständen noch nicht einmal etwas gewußt hat. Da setzt auch bei mir ein wenig Bluthochdruck ein (allerdings aus anderen Gründen). Eine völlig absurde Vorstellung, die sich hier offenbart, untergräbt sie doch den Begriff von “Verantwortlichkeit” schon im Ansatz. Wer Verantwortung übernimmt braucht auch den entsprechenden Ermessensspielraum, um dieser gerecht werden zu können und die Gewisseheit, das getroffene Entscheidungen auch umgesetzt werden. Natürlich sehen das Juristen genauso und würden nie den “formal gesehen Verantwortlichen” vor den Kadi ziehen, sondern immer Fragen, wer letztendlich die Entscheidung gefällt hat. Dummerweise ist es bei ausreichend vielen Köchen stets sehr schwer denjenigen zu finden, der die Suppe letztendlich versalzen hat. Nebenbei: Gibt es einen, auf den alle Finger zeigen, dann kann auch der gescheiteste Richter nicht anders.

Was mich an den roten Pillen vielmehr stört, ist der wenig kaschierte Versuch jemanden aus dem Betrieb zu entfernen, der durch Sachzwänge laufend unliebsame Entscheidungen treffen muss. Mit Kündigung ist ihm ja schon gedroht worden. Statt ihn aber einfach vor die Tür zu setzen, eine entsprechende Abfindung zu zahlen und den Kram selbst zu machen, von dem man glaubt, man könne ihn ohnehin viel besser als andere, mobbt man fröhlich drauf los und hofft, irgendwann wird er dem Druck schon nachgeben und von sich aus kündigen. Dann muss man wenigstens nichts zahlen. Oder der Kollege wird krank, arbeitsunfähig und muss deshalb den Job aufgeben. Dann wird die Krankenkasse einspringen und man muß wieder nichts zahlen. Letzteres kam mir gestern in den Sinn, als ich nochmal darüber nachdachte, wie mir jemand von diesen roten Pillen erzählte, die sein Arzt ihm verschrieben hat. Und ich stehe daneben und mach blöde Sprüche…

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang nur noch, das es sich um eine gemeinnützige Einrichtung handelt. Eigentlich würde man erwarten, das die Zustände dort Andere sind. Weit gefehlt. Es geht ums Gemeinwohl, da kann auf Einzelschicksale keine Rücksicht genommen werden.

Ich will mal schauen, wieviel Lust ich noch auf dieses Haus habe. Den Link aus meiner Blogroll habe ich entfernt.


Okt 18 2008

Und sonst so…

Zunächst: Meinen Fernseher bin ich los! Eine Freundin aus Bremen wird ihn sich neben die anderen beiden in die WG stellen. Mehr als Stereo-sehen geht nicht… Sie hat hoch und heilig versprochen nur Filme zu schauen. Mir soll es recht sein, wer zuerst kommt… Mein Ex-Hertz-Kollege hatte nur Interesse angemeldet und das D. aus B. hätte ihn sich heraus geholt, wenn es mal wieder in Oldenburg gewesen wäre. Ich wollte das Teil aber los werden und nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag verwahren. Also: Sonntag ist er wech! Zum Glück!

Arbeitsmäßig gibt es auch mal wieder was zu berichten. Heute habe ich mich mal (wieder!) als Hand für die Wise Guys verdingt. Die gute Nachricht vorweg: Sie spielen noch immer die gleichen Lieder, trotz neuem Albums (“Hallooooo, ich bin dein Ohrwurm”.) Von den Künstlern habe ich natürlich nur wenig mitbekommen (die Künstler gehen mir mittlerweile aber generell handbreit am Arsch vorbei, das hat also nichts zu sagen, aber), die Crew war nett. Ja, nur nett. Eine Kollege sagte es heute treffend: “Zu viele Chiefs, zu wenig Indianer”. Die Jungs wirkten auf mich doch etwas eigenbrödlerisch und unwillig Aufgaben zu deligieren, außerdem hat auch die team-interne Kommunikation nicht ganz so gut geklappt (widersprüchliche Anweisungen); menschlich aber angenehm. Kurz: Fachlich: gut, Arbeitsklima: gut, Organisation: verbesserungswürdig. Alles in allem: Quick and Dirty. Reibung gibt es ja immer.
Bemerkenswert war eigentlich das Publikum: Die Wise Guys haben vermutlich das mit Abstand musikalischste, welches ich bisher gehört habe. Heute Abend war tatsächlich das erste mal, das ich (geschätzte) 800 Leute auf die 2 und die 4 habe klatschen hören. In der Regel heißt es ja “Four on the Floor” wenn das Publikum miteinsteigt, und mir klappen sich regelmässig die Fußnägel hoch, wenn ich dies teutonische Gepolter aus der Halle höre. Vielleicht sollten die Jungs doch noch ein wenig bekannter werden, einfach nur, um etwaigen Konzertbesucher die Grundlagen ihrer heißgeliebten Pop-Musik etwas näher zu bringen. Der überwiegende Teil ist Soul, Blues und Jazz: also Backbeat. Wobei ich mich immernoch frage, wieso eine A-Capella-Gruppe so viel Geschleuder auf der Bühne hat…egal, netter Abend und nächstes Jahr kommen sie wieder…


Aug 28 2008

Zitat des Tages XV

Als Reaktion auf diesen Artikel unter lawblog.de, kam ich am Ende doch wieder auf eines meiner Lieblingszitate von Tucholsky.

Das wirklich Bemerkenswerte ist eigentlich, das bei dieser “Ausschreibung” bereits die Leistungen vom Arbeitsamt mit einkalkuliert sind und dieser Arbeitgeber (ob soziale Einrichtung oder nicht @15) bereits eine Rechnung im Hinterkopf hat, wieviel dem Arbeitnehmer am Ende wohl bleiben wird. Im Prinzip versucht hier jemand für sein Unternehmen Unterstützung vom Staat zu erheischen, indem er mit Leistungen rechnet, die eigentlich mal als Hilfe für sozial Schwächere gedacht waren. So verkommt das Arbeitslosengeld zu einer Subvention für Unternehmer; und ich als jemand, der verpflichtet ist, laufend für dieses Geld aufzukommen, darf es wohl zu recht als himmelschreiende Zweckentfremdung meiner Mittel betrachten, wenn sich Unternehmer indirekt daran bereichern.

Auch, wenn es vielleicht richtig ist, das Arbeit mehr als reiner Broterwerb ist; soziale Kontakte und Bindungen am Arbeitsplatz befördert werden und vielleicht auch ins Privatleben überstrahlen, die Aussicht auf Festanstellungen steigt und sich sicher auch das Gefühl des “Gebrauchtwerdens” einstellt, wenn man Spaß an seiner Arbeit hat; es bleibt plumpe Ausbeutung. Der Arbeitgeber kann sich doch auch einfach darüber freuen, das er viele Angestellte hat, dem Gemeinwesen etwas Gutes tut und das wohlige Gefühl genießen, einer armen Seele eine Chance zu geben. Wozu braucht er dann noch das Geld, welches er durch billige Arbeitskräfte einspart? Sprich: Warum ist es immer das Salär des Arbeitnehmers, welches zur Disposition steht? Beide Parteien versuchen Geld zu verdienen, warum wird das Anliegen des Arbeitnehmers generell geringer eingeschätzt?

Ich bin ja gewiss keine Linke Socke, sondern ein vehementer Beführworter des Leistungsprinzips. Leistung heißt aber auch: Wer Leistung erbringt hat dafür adäquat bezahlt zu werden. Wenn ich diese “Hauptsache Arbeit”-Mentalität aus dem bürgerlich-christlichen Lager so höre kotze ich gern auch mal im Strahl. Wenn sich dann auch noch diese komischen, selbsternannten Liberalen dazwischen drängeln und von Angebot und Nachfrage Faseln ist meine Sehnsucht nach einem Mindestlohn auch schon komplett. Von wegen der Arbeitsmarkt ist ein Markt wie jeder andere! Was passiert denn eigentlich, wenn mal eines der Waren aus dem Angebot schadhaft oder mangelhaft ist? Ist das ein Garantiefall? Geht das Produkt zurück zum Absender? Wird nachgebessert? Die Ware “Arbeit” ist (gelinde gesagt) ausgesprochen eng mit den Menschen verknüpft, die sie anbieten, wie kommt man da eigentlich auf diesen einfältigen Gedanken, den Arbeitsmarkt wie jeden anderen Markt auch zu behandeln? Nein, nein, auf dem Arbeitsmarkt gelten andere Regeln (davon bin ich zumindest überzeugt) und bisher hat noch keine politische Strömung in Deutschland passende Werkzeuge gefunden, diesem Umstand gerecht zu werden.

Zum Glück bin ich nicht der Erste, dem es so geht und wir nicht die erste Generation, die derlei Phänomene beobachtet. Das kannte schon Tucholsky, guckst Du:

“Eine der schauerlichsten Folgen der Arbeitslosigkeit ist wohl die, dass Arbeit als Gnade vergeben wird. Es ist wie im Kriege: wer die Butter hat, wird frech.” – “… zu dürfen”, in: “Die Weltbühne”, 14. Oktober 1930, S. 597


Aug 20 2008

Zitat des Tages XIV

Neulich habe ich mich mal wieder mit einem meiner ehemaligen Kollegen über den Umstand unterhalten, das so viele Menschen in Deutschland so komische Hemmungen haben, ab der magischen Altersgrenze von 30 Jahren ihren Arbeitgeber zu wechseln oder einen neuen Beruf zu erlernen. Ein typisch deutsches Phänomen und einigermaßen schwer nachvollziehbar, gerade, wenn man, wie im Falle des Kollegen, als Angestellter regelmäßig mit seinem Job oder den Arbeitsbedigungen unzufrieden ist. Jenseits der dreizig ist Schluß; Ende der Fahnenstange. Viele scheinen zu glauben, sie könnten wohl als sprunghaft gelten, wenn sie ab einem gewissen Alter nochmal ihr Leben umkrempeln. Obwohl ich mich immer frage, ob das sein kann. Mit anfang, mitte Dreizig hat man in der Regel noch mindestens 30 bis 35 Jahre zu arbeiten, da fallen ein paar Jahre für eine Umschulung oder vielleicht sogar für ein Studium doch echt nicht ins Gewicht. Stattdessen aber reichen viele die innere Kündigung ein und warten auf die Rente oder wahlweise das Wochenende. Und trampeln so auf den angestammten Pfaden weiter, nur weil die sich so schön vor einem Abzeichnen. Ich kann mir nicht vorstellen, das das wirklich Spaß macht oder gesund sein kann.

In diesem Zusammenhang fiel mir neulich wieder das gute, alte Indianersprichwort ein, das man jedem mit einem solchen oder ähnlichen Problemen zu rufen möchte:

“Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab.” – Indianisches Sprichwort


Aug 6 2008

Wo war ich stehen geblieben?

In den letzten anderthalb Monaten nach der EM ist bei mir wieder so dermaßen viel passiert, das ich gar nicht genau weiß, was ich schon alles vermerkt und was ich noch unterzubringen habe. Zu allererst: Ich habe vorgestern bei Hertz gekündigt. Die Kündigung wurde nur widerwillig angenommen, was mich natürlich einigermaßen gefreut hat. Ja, sowas ist Bestätigung, das man seine Arbeit einigermaßen gut gemacht hat. Die Kündigung hat natürlich einen Grund: Ich werde wohl ab dem 15. bei der EWE-Tel anfangen und dort beim technischen Kundendienst arbeiten. Es war für mich wichtig sich frühzeitig nach etwas neuem umzusehen, da Hertz aufgrund von rechtlichen Erwägungen darauf verzichtet Aushilfen länger als zwei Jahre zu beschäftigen. Sprich: Im Februar wäre für mich Schluß gewesen und ich hätte ohne ein regelmäßiges Einkommen dagestanden. Allerdings hat mich mein zukünftiger Arbeitgeber mit seinem Tempo überrascht (und sich selbst wohl auch, ich warte noch auf den neuen Vertrag, der diese Woche bei mir eintrudeln soll), im Grunde war nämlich der Wechsel so für Oktober, November anvisiert. Jetzt werden sich die Dienstzeiten bei Hertz und der EWE-Tel noch etwas überschneiden und ich habe das Gefühl, das nochmal zwei ziemlich anstrengende Monate auf mich zu kommen. Denn im September steht auch noch eine Klausur in Hamburg auf dem Programm, für die ich sicher auch noch ein wenig Zeit werde einplanen müssen.

A propos Klausur: Dieses Wochenende, genauer Samstag, muss ich ebenfalls in die schöne Hansestadt um einen Leistungsnachweis zu erbringen. In diesem Fall eine Klausur über Datenstrukturen, sowie Such- und Sortieralgorithmen. Ein ziemlich weites Feld und ebenfalls eine Angstklausur, da es tendenziell ein sehr Mathelastiges Metier ist. Die Klausur am letzten Samstag (algorithmische Mathematik) habe ich zunächst ausfallen lassen, da mir die Vorbereitungszeit ausgegangen ist, ohne die ich niemals auch nur in den Bereich einer ausreichenden Punktzahl gekommen wäre. Ich kann und werde diese Klausur im Februar nachholen, das sollte als Vorbereitungszeit für eine zwei stündige Klausur wohl reichen.

Letzten Mittwoch und Donnerstag hatte ich mal wieder ein nette kleine Veranstaltung, die ich mit freuden mitgenommen habe. Zwar kannte ich den Künstler vorher nicht, war nach dem ersten Gig am Mittwoch allerdings schon recht begeistert. Im Rahmen des Kultursommers Inside hat der Thomas Keirut Wenzel, einen kölner Stand-Up-Comedian, nach Oldenburg geholt und ich durfte die Künstlerbetreuund übernehmen und mich ein wenig an der Technik vergehen. Alles in allem ein netter kleiner Spaß und das das Bier nach der Show zu einer regelrechten Kneipentour wurde, passiert mir natürlich auch nicht oft. Alles in allem ein sehr sympathisches, kleines Kerlchen und eine handwerklich gute Show.

So, vielen Dank für die Aufmerksamkeit; ich werde mich so langsam mal wieder an die Bücher begeben, damit das mit der Klausur diesen Samstag auch was wird.