Neulich in der Post

Als einigermaßen politisch interessierter und bisweilen sogar engagierter Mensch ist man ja auch Mitglied in der ein oder anderen politischen Bewegung. Ich für meinen Teil bin seit ein paar Jahren zahlendes Mitglied der grünen Partei. Wie die meisten Gruppierungen, verfügen auch die Grünen über eine kleine Hauspostille, in der über die aktuellen Themen schreiben und Mitglieder über dies uns das informieren. Bei den grünen ist es der “Schrägstrich”.

Neuerdings (oder mit ist es neulich zuerst aufgefallen) finden sich auch Werbeprospekte als Beilagen zu dieser Zeitschrift. Natürlich nur zu Umwelt relevanten Themen und vermutlich sogar auch recyceltem Papier. Dieses mal waren zwei Prospekte von Investment-Fonds dabei, die in Umweltprojekte investieren und mit guten Renditen locken. Ein Windenergie-Fonds und das Andasol-Projekt im Süden-Spaniens. Bemerkenswert, wie sich die Mitgliederstruktur der Partei verändert zu haben scheint, wenn Investment-Fonds jetzt gezielt an die Mitglieder der grünen Partei herantreten. Natürlich wird man dort am Ehesten auf Resonanz stoßen, allerdings mutet der Finanzdienstleisterjargon im grünen Umfeld doch schon sehr gewöhnungsbedürftig an. Oder kann mir jemand ad hoc sagen, was direkte und indirekte Kommanditbeteiligungen sind? Put-Options? Anyone? Bemerkenswert auch, das die Beteiligungssummen mindestens 5000 € betragen. Wer mehr will, muß in Tausenderschritten staffeln. Wenn das mal nicht nach Partei der Besserverdienenden klingt.

Natürlich wird die Energiewende zu mehr erneuerbaren Energien nicht ohne immensen Kapitaleinsatz von statten gehen und es ist auch nicht verwerflich, wenn jemand darin eine Chance sieht seine Rente etwas aufzubessern. Aber macht man deshalb gleich offensiv Werbung dafür in einer Mitgliederzeitung. Ich meine, das Andasol-Projekt wirbt offensiv mit dem Namen RWE, um das solide Finanzierungskonzept hervorzuheben. Also gerade die Firma, die Greanpeace immer wieder an den Pranger stellt für ihre eigentümliche Green-Washing-Kampangen. Und das in einer Ausgabe der Zeitung, in der auch ein Artikel über Green-Washing innerhalb der Autoindustrie zu finden ist.

Was ich mich als erste Frage ist:  Weswegen finde ich nur Material über geschlossene Fondsgesellschaften? Gessellschaften, die Beteiligungssummen von einem drittel Jahresgehalt erfordern, bevor man sie überhaupt erst in Erwägung ziehen kann? Es gibt doch noch andere Formen von Beteiligungsmöglichkeiten. Meines Wissens gibt es eine ganze Reihe von lokalen Projekten, die rund um das Thema “Erneuerbare Energien” enstanden sind und vorzugsweise als Genossenschaften organisiert werden. Das würde mich viel eher interessieren und darüber Informationen zu sammeln ist weitaus schwieriger. Meistens sind sie von der Größe her meist so klein, das sie weit unterhalb des Aufmerksamkeitsradars der etablierten Medien bleiben. Da könnte so eine Mitgliederzeitung doch eigentlich mal in die Bresche springen.

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