Sail ho!
Für Menschen, die sowohl politisch interessiert, als auch ein wenig netzaffin sind, ist diese Woche relativ viel passiert. Zum eine ist da die Europawahl gewesen, bei der die Piratenpartei aus dem Stand 0,9 % der Stimmen einfangen konnte. Im Vorfeld der Wahl habe ich gelesen, das ursprünglich nur 0,5 % angepeilt waren. Insofern ein netter Erfolg. Es würde mich nicht wundern, wenn genau dieser Erfolg jetzt die Basis der SPD dazu nötigt, auf dem Sonderparteitag am Sonntag einen Antrag einzubringen, der sich mit der Thematik “Netzsperren” befaßt und die Fraktion im Bundestag zur Ablehnung bewegen soll. Da haben die Piraten schon ihre erste Kaperfahrt gemacht, bevor sie überhaupt die ersten Untiefen des politischen Betriebs umschifft und in die Häfen der politischen Institutionen eingelaufen sind. Auf alle Fälle spannend zu sehen, was da gerade passiert.
Amüsiert hat mich auch der Vorstoß von Dieter Wiefelspütz. Ich weiß nicht, ob es einfach nur ein Testballon war, den er dort hat steigen lassen (”…Natürlich werden wir mittel- und längerfristig auch über andere kriminelle Vorgänge reden…”), einfach um mal zu sehen, wie weit die Regierung noch gehen kann. Wie die Stimmung im Land ist, ob die Salamitaktik greift. Den Sextanten kallibrieren, wenn man so will. Vielleicht war es wirklich nur eine unbedachte Äußerung, vielleicht ist er tatsächlich nur falsch verstanden worden. Ist auch egal. Die Reaktionen waren in jedem Falle angemessen und von Seiten der BZ als auch von Wiefelspütz selbst wurde im Eiltempo zurückgerudert. Jetzt weiß er, wo am Himmel der Nordstern ist. Schon erstaunlich, wie schnell Paddelboote sein können, wenn sich jemand in die Riemen hängt. Da werden selbst die Piraten getaunt haben; so schnell konnten die nichtmal ihre scharzen Segel hissen, wie der Dieter wieder zurück an Land war. A propos “schwarz”. Die CU (das “D” können wir getrost streichen bei dieser Partei) diskutiert fleißig weiter, was man mit der Zensurinfrastruktur noch so alles anstellen kann. Was soll ich sagen? Landratten.
Die große Fregatte “DNS-Sperre” hatte sich schon sehr früh als nutzloses Beiboot entpuppt, das die Netzgemeinde im Grunde schon recht früh zielsicher versenkt hatte. Allerdings nur online. Langsam gelingt es aber den ersten Trieren der Piraten auch auf`s offene mehr zu Rudern, selbst die Bundesregierung scheint nicht so recht zu glauben, was die Bundesfamilienministerin den ganzen Tag so von sich gibt. Sie haben keine Erkenntnis von gar nichts. Im Prinzip bleibt es also nur eine Frage der Zeit, bis der Rest des großen Vergnügunsschiffchens in Berlin beidreht und die Segel einholt. Thomas Knüwert fühlt sich nach der Meldung sogar soweit bestätigt zu sagen:“Uschi hat gelogen.” Sicher nicht falsch, aber auch nicht so neu. Politiker neigen nicht unbedingt dazu ehrlich oder gar sachdienlich zu argumentieren, wenn es um die Durchsetzung von Partikularinteressen geht. Da denkt der Knüwer noch wie ein echter Leichtmatrose und Binnenkapitän und langsam sollte auch dem letzten klar geworden sein, welche Akteure hier wirklich die Bezeichnung Pirat verdienen. Kaperfahrten zu Lasten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, im Fahrwasser abscheulicher Verbrechen, unter der Flagge der Gerechten sind zwar medienwirksam aber nicht sehr beute-trächtig.
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