Beleidigungen aus dem Familienministerium
Wir haben heute herzhaft gelacht auf der Arbeit. Ein Kollege hat in seiner Pause ein wenig die neuesten Meldungen im Internet studiert und ist auf ein Zitat unserer Familienministerin gestoßen.
“Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft”
Quelle www.golem.de
Um es vorweg zu sagen: Zu den zwanzig Prozent gehören ausnahmlos alle meiner Kollegen. Und auch wenn die Supporter in unserem Unternehmen von so ziemlich allen anderen Abteilung gering geschätzt und als Mülleimer für allerlei Handlangertätigkeiten mißbraucht werden, als schwer Pädokriminell wurden wir noch nie bezichnet. Man fragt sich auch, von welchem Geschäft die Gute spricht. Die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter in unserer Abteilung ist in der Tat durch jahrelange Praxis auserordentlich gut geschult aber zu hundertprozent in der IT-Branche tätig. Die ist bisweilen nicht gerade spießbürgerlich, zugegeben, aber widerwärtig? Oder verteufelt die Gute alles, was sie nicht versteht und nicht mag? Hätten wir uns nicht vor Lachen ausgeschüttet, hätten wir vermutlich Klage einreichen müssen. Denn diese Äußerungen sind eine handfeste Beleidigung für jeden, der mehr von Computern versteht, als nur zu wissen wie sie aussehen und wo man sie vornehmlich antrifft, damit man solche Orte weiträumig meiden kann.
Um es nochmal klar zu stellen: Der ganze Wirbel dreht sich um die “Sperrung” einzelner Domainnamen durch die DNS-Server der Provider. Diese sollen nicht mehr die entsprechende IP-Adresse, die eigentlich zu einem Domainnamen gehört, an die Clients weiterleiten, sondern eine Adresse, hinter der sich ein Server verbirgt, der die Stop-Schilder anzeigt. Dieser loggt die IP-Adressen derjenigen, die sich auf diese Server verirren, um dann später weitere Ermittlungen aufnehmen zu können.
Will man diese “Sperre” (es ist eigentlich nur eine “Fehlweiterleitung” oder “fehlinterpretation des Domainnamens”, bzw. die “Vergabe einer gefälschten IP-Adresse”) umgehen, sorgt man einfach dafür, nicht mehr die DNS-Server der Provider zu nutzen. Am einfachsten ist die Verwendung der IP-Adresse anstelle des Domainnamens. Dann ist kein DNS-Server mehr involviert, der eine “gefälschte” IP-Adresse verschicken könnte. Will man dennoch Domainnamen verwenden, nutzt man einfach einen anderen DNS-Server. Normalerweise wird die Adresse eines DNS-Server im Rahmen des DHC-Protokolls an die Rechner vergeben. Die Adresse dieses Server läßt sich aber auch mit wenigen Klicks in den Netzwerkeinstellungen selbst eintragen und fest vergeben. Die Einstellungen sind mit Boardmitteln zu erledigen und sogar für Leyen leicht nachvollziehbar.
Und bevor hier jemand denkt, dieses Wissen nutzen nur jene, die Böses im Schilde führen: Im Rahmen unserer Arbeit machen wir soetwas täglich und zwar immer dann, wenn bei einem Kundensystem das DHC-Protokoll nicht sauber implementiert ist oder fehlerhaft arbeitet. Bei Systemen also, die am Bezug eines gültigen DNS-Servers scheitern. Man kann dann versuchen, einen fest vergebenen Server zu nutzen, oft führt das zum Erfolg. Mache ich mich in Zukunft also strafbar, wenn ich den Kunden helfe wieder ins Internet zu kommen und damit die “Sperre” irgendwelcher IT-Leyen umgehe? Ich warte auf ein Gesetz, das entsprechendes regelt. Auf jeden Fall ist dies der Grund, weswegen wir uns heute vor Lachen kaum halten konnten. Auf der Arbeit.
Die Zweifelhaftigkeit dieser Aktion tritt zutage, wenn man sich vor Augen führt, das wir alle beim Surfen Unmengen Daten von Quellen beziehen, die wir eigentlich überhaupt nicht ansurfen wollten. Nie liegen zum Beispiel die Daten der Werbebanner, die eigeblendet werden auf den selben Servern, wie jene Informationen, die wir eigentlich angefordert haben. Diese werden von externen Servern heruntergeladen. Stellen sie sich vor einer dieser Ad-Server gerät in die Liste der zu sperrenden Domains. Jeder der Seiten aufruft, auf denen Werbung von diesem Betreiber angezeigt werden soll, stellt dann eine Anfrage an einen Server, der als gesperrt gilt und muss damit rechnen, das seine IP-Adresse auf den Schnüffelservern der Provider landet (und von dort samt Namen und Anschrift beim BKA). Ganz ohne auch nur in die Nähe von fragwürdigen Inhalten zu gelangen.
Ein Kollege machte auch die Bemerkung: “Warum soll das Betrachten eines Stopschildes eigentlich schon zu Strafverfolgung führen?” Genau: So wie sich die von der Leyen das denkt, könnte man in Zukunft auch jeden erschießen, der es schafft ein Schild wie “Vorsicht militärisches Sperrgebiet!” auch nur zu lesen. Was macht der auch so dicht am Zaun?! Eine Absperrung zu sehen darf noch keine Konsequenzen haben, nur wer sie überschreitet soll zur Rechenschaft gezogen werden. Jene aber, die die Sperre umgehen, lassen sich mit den Mitteln, die sich die von der Leyen beschafft hat, nicht ermitteln.
Wir merken mal wieder, im September ist Wahl. Die Politik betracht den Rechtsstaat als ihre Spielwiese und eifrig wird daran gearbeitet, das man auch ja wiedergewählt wird. Die vereinte Journaille in Deutschland steht daneben, hält ihnen zwischendurch ihre Mikros unter die Nase und lächelt nickend dazu. Was für ein Irrenhaus, die blanke Realsatire.
Edit 05.04.2009:
Ich sehe gerade, das sogar schon eine Online-Petition beim Deutschen Bundestag zu dem Thema eingereicht wurde. Dieser solle das Gesetzesvorhaben verwerfen. Es haben sich schon über 20000 Unterstützer dafür gefunden. Jetzt ist´s einer mehr…
Die Anzahl der Mitzeichner ist deshalb bemerkenswert, da andere Anträge nur mit Mühe auf 1000 Unterstützer kommen.
Kein ähnlichen Artikel.


Mai 6th, 2009 at 17:30
Nur wenige wissen das U. von der Leyen eine Tochter des ehem. niedersächsischen Mimisterpräsidenten Ernst Albrecht ist, aber es ist schon “lustig” ein paar Schmankerln aus diesem Umfeld zur Kenntnis zu nehmen.
http://blog.fefe.de/?ts=b70b053a
Mai 6th, 2009 at 23:48
Ne, von der Laiens Familiengeschichte ist eigentlich hinlänglich bekannt. Deswegen hat sie es doch überhaupt erst in die Bundespolitik geschafft…
Mai 29th, 2009 at 22:52
[...] Ich wußte doch, das ich mich in Zunkuft strafbar machen würde, wenn ich auf der Arbeit Leuten helfe wieder wie gewohnt im Internet zu surfen. [...]