Musikpromotion im Netz

Heute erreicht mich eine Mail von der Band “Foolsgarden”, in der sie mich auffordern meine Gedanken zur Musikpromotion im Netz darzulegen. Der Name der Band sagt mir natürlich noch etwas auch, wenn es vermutlich schon zehn Jahre her ist, das ich das letzte mal von denen gehört habe. Scheinbar gibt es sie aber noch. Tja, und was soll ich zu ihrem Anliegen sagen, mich zum Thema Musikpromotion zu äußern? Ich glaube nämlich kaum, das die Jungs es nötig haben, von mir zu erfahren, was gute und was schlechte Promotion ist. Im Grunde haben sie ja schon offenbart, wie man seine Arbeit im Netz promoten kann. Die Idee einen Blogkarnevall abzuhalten, um ein Best of Album in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken, ist natürlich nichts anderes als selbst Promotion. Das fällt unter “virtuelles Klinken” putzen. Möglichst vielen Leuten bescheid sagen, das gerade mal wieder etwas ansteht und darauf hoffen, das viele diese Information weitertragen. Darin unterscheidet sich Promotion im Netz keinen Millimeter von jeder anderen Form von Promotion. Allein die Werkzeuge unterscheiden sich. Newsletter, Blogs, MyPlace etc. Nehme ich das also als Aufhänger für einen Artikel und gehe nicht weiter auf die Band selbst ein.

Prinzipiell heißt Promotion präsent sein, das gilt im realen Leben wie im Netz. Live spielen (Klinken putzen in doppelter Hinsicht, vgl. Klinkenstecker…) und seine Arbeit dem Publikum vorstellen. Ob ich das auf einer Bühne mache oder einen Stream ins Netz stelle, macht keinen großen Unterschied. Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht, was man von seinen Aktionen erwartet. So stellen die Jungs in ihrem Begleitbeitrag fest, das fast 85% der kostenplichtigen Angebote überhaupt nicht genutzt werden. Ernüchternd. Es ist nicht neu, das Musiker, gerade am Anfang ihrer Karriere, mit einem gewissen Aufmerksamkeitsdefizit zu kämpfen haben. Geld fließt da eher selten oder es bleibt nicht viel übrig, wenn man die ganzen Aufwendungen gegenrechnet, die gemacht werden müssen, um Musik zu produzieren oder auf die Bühne zu bringen. Einige haben diese Not zur Tugend gemacht und einfach ein Stück weit auf Ansprüche verzichtet. Die Black Crowes zum Beispiel haben am Anfang ihrer Karriere ihren Konzertbesuchern nicht nur erlaubt, sondern sie geradezu dazu aufgefordert, Bootlegs ihrer Gigs anzufertigen. Wenn man sich Venues heute anschaut, stellt man leicht fest, das sich die Künstler mittlerweile sogar das Photographieren mit Handys verbitten. Überall hängen entsprechende Schilder, die sogar die Verletzung von Persönlichkeitsrechten zur Straftat machen (Das fällt unter das Zivilrecht…) Bei den Black Crowes führte dieser Verzicht auf Vervielfältigungsrechte dazu, das die Band relativ schnell zumindest in der Bootlegerszene bekannt wurde und später eine der hundert erfolgreichsten Rockbands werden konnte. Mehrwert durch verzicht sozusagen. Solche Gedanken mehrheitlich betriebswirtschaftlich geschulten Managern eines Labels näher zu bringen, scheint dieser Tage einigermaßen aussichtslos, wenn man bedenkt, das diese augenblicklich überwiegend mit schwierigen Konzernkennziffern zu kämpfen haben. Dennoch scheint es angebracht auch für solche Arten der Promotion offen zu bleiben. Vielleicht durch Remixing Wettbewerbe oder Cover-Contests. Die technischen Möglichkeiten sind dieser Tage sicher gegeben. Die Kosten für eine funktionstüchtige DAW sind schon seit Jahren im Fall begriffen oder werden bei gleichem Mitteleinsatz immer leistungfähiger, so daß auch einzelne durchaus in der Lage sein könnten, präsentable Demos zu herzustellen. Also ihrem Hobby zu frönen, eine kleine Plattform zu finden und vielleicht sogar etwas Annerkennung ernten können. So werden positive Erlebnisse mit der Musik von bestimmten Künstlern verknüpft und der Grundstein für eine längerwährende Karriere gelegt werden. Veröffentlichungen unter der Creative Commons Licence können solche Aktionen ermöglichen.

Bemerkenswert sind auch Karrieren, wie die eines Rene Marik, der seinen Erfolg fast ausschließlich durch YouTube Videos begründete. Sein Geld verdient heute offenbar durch Liveauftritte, die Verwertungsrechte im Sinne von Aufzeichnungen spielen dann eher einer Nebenrolle. Davon wird ein Musiklabel sicher nichts wissen wollen, dann schließlich ist genau das, womit die ihr Geld verdienen. Dennoch, auch Marik ist nicht für alle Zeiten verpflichtet, alle seine kreatvien Ergüsse kostenfrei ins Netz zu stellen.

Was die eigentlich Frage, nach der richtigen Plattform für Promotion im Netz angeht, kann ich nur läppisch feststellen: Es gibt keinen Unterschied zwischen althergebrachter Werbung und den neuen Medien. Es geht hier wie dort um das Produkt, das gezielt und einfallsreich präsentiert werden muss. Der einzige Unterschied ist vielleicht, das die Kosten für Werbung im Netz gemessen an ihrer Reichweite verhältnismäßig gering sind und sie insofern immer interessant ist. Eine gute Kampange funktioniert aber nur, wenn sie Aufmerksamkeit erregt. Und, unter uns, wahllos bloggende Musikinteressierte anzuschreiben, in der Hoffnung, sie würden irgendwie über ein bald erscheinendes Album berichten, zeugt in diesem Kontext nicht unbedingt von großem Einfallsreichtum. Solche Mails landen laufend in meinem Spamordner ;-)

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