Fernseher zu verschenken
Der alte Sack hat recht! Das die Qualität des deutschen Fernsehens nicht mehr sehr hoch ist, haben schon viele vor mir beklagt. Es ist auch nichts neues, das die Medien, bezogen auf das Massenpublikum und unter Einbeziehung von wirtschaftlichen Interessen, sich nie sonderlich mit Ruhm bekleckert haben, wenn es um den Tiefsinn ihrer Inhalte geht. Genau das hat auch schon Tucholsky beklagt. Dennoch der alte Sack hat recht. Es gibt zweifellos immer wieder die ein oder andere Perle, sowie im öffentlich-rechtlichen als auch im privaten Fernsehen aber es wird immer mühselliger Zwischen all dem Müll, der Werbung, den Kochsendungen und Coaching Shows, Castingwahn und Gerichtssendungen, Programmhinweisen und TopTen-Listen mit MAZ-Einspielern das heraus zu picken, was nicht gnadenlos verdummt und mehr als nur einen flüchtigen bis vernachlässigbaren Informationsgehalt besitzt. Das Problem wird auch nicht durch den Umstand gemindert, das eben diese Perle von den Programmverantwortlichen gern auf die späten Abendstuden verlegt werden und dadurch für den Otto-Normal-Verbraucher fast nicht mehr in Frage kommen (s. X3, Scheibenwischer, etc.)
Ein Phänomen übrigens, welches nicht nur die Fernsehwelt erfasst hat. Auch die Printmedien spielen fleißig mit. Der Spiegel verzichtet mittlerweile nicht mehr darauf, zwischen den teils interessanten Beiträgen rund um Wirtschaft und Politik so spannendes wie Nachbarschaftsstreits und belangloses aus der Kommunalpolitik zu bringen. Wenn man die “Zeit” aufschlägt sieht man sich zwar durchaus anspruchsvoller Lektüre gegenüber (wobei das Umblättern im Zug noch immer das Anspruchsvollste ist), allerdings kann man sich bei den Hamburgern nie des Eindrucks erwehren, das in dieser Redaktion einfach nicht mehr Recherchiert, sondern lediglich kräftig drauflos Philosophiert wird. Sicher nicht ohne Niveau aber Journalismus sieht für mich auch anders aus.
Der alte Sack hat recht. Auch wenn ich mit seiner komischen Literatursendung nie viel anfangen konnte (da machen seine Kollegin Heidenreich und Dennis Scheck mit “Druckfrisch” schon einen besseren, weniger aufgeregten Job, Probleme mit diesen Sendungen s. o.), in diesem Fall muss ich ihm beipflichten. Und so wie Marcel das Angebot eines deutschen Fernsehpreises zurückweisen kann, kann auch ich in Zukunft auf das Angebot verzichten, das mir öffentlich-rechtliche sowie private Anstalten (schon das Wort läßt vermuten, was für Unternehmungen das sind) machen und die Glotze einfach aus lassen. Besser! Das Teil kommt weg, dann bietet sich mir auch die Möglichkeit (auch wenn es Geschrei des Internetanschlußes wegen geben wird) die gerade aufgenommenen Zahlungen an die GEZ wieder einzustellen.
In diesem Sinne: Fernseher zu verschenken! Abholung erbeten. Wer zuerst kommt, darf meinen alten “GoldStar” mit zirka 40cm Bildröhre samt klappriger Fernbedinung mitnehmen und dann behalten, bis er seinen Geist aufgibt. Bitte vorher anrufen, um sicher zu gehen, das ich auch zu Hause bin.
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