Die Blogszene feiert sich selbst…

…zumindest kommt es mir so vor, wenn ich in allen Blogs dieser Tage Kommentare zur re:publica lese. Vielleicht war es an der Zeit, das sich die Blogger nicht nur virtuell, sondern auch mal im richtigen Leben austauschen. Fragen des Rechts erörtern und über ihr Tun nachdenken. Allerdings habe ich immer das Gefühl, das das “über das Bloggen bloggen” ohnehin schon viel zu viel Raum einnimmt. Eigentlich bin ich ja mehr an den Gedanken der Schreibenden interessiert, als an irgendeinem (teils) esoterischen Überbau. Gut, die Blogger sehen sich als Speerspitze einer neuen Medienwelt; solange die Avantgarde nicht weiß, wo sie hin will, ist die Gefahr groß, nur im Kreis zu laufen. Hin und wieder muss man reflektieren, was man da eigentlich treibt. Allerdings: Das Wörtchen “Medien” impliziert eigentlich die Stellung, die Techniken zur Verbreitung von Informationen einnehmen. Sie sind ein Medium. Ohne Inhalte erscheint selbst das modernste, facettenreichste und weitreichenste Medium hohl und albern. Wenn ich dann feststelle, das die Berichterstattung aus der Bloggerszene über die Bloggerszene scheibar völlig ohne Inhalte auskommt und nur Überschriften präsentiert, dann wirkt die große Digitalerevolution so, als würde sie würde sie nur in den Köpfen von ein paar Vordenkern existieren, die nicht genau wissen, was sie damit eigentlich anfangen wollen.

Natürlich: Demokratisierung der Meinungs- und Deutungshoheit über das aktuelle Tagesgeschehen. Warum deuten die Blogger dann so wenig? Und warum beschäftigt sich die Hälfte der Blogs mit Fundstücken aus dem Internet? Warum ignorieren die hard-core Blogger die etablierten Medien so geflissentlich, wenn sie eine Art “Gegenöffentlichkeit” aufbauen wollen? In Deutschland scheint mir der Otto-Normal Bürger schon ziemlich übersättig mit dem vorherschenden Medienangebot. Die überwiegende Zahl der Zeitungen und Nachrichtenredaktionen machen einen guten Job und sind durchaus in der Lage, die Nöte der Bürger zu erfassen und in die politische Situation einzufügen. In weniger freiheitlichen Staaten mag das Bloggen tatsächlich ein Möglichkeit zu sein, um auf Misstände aufmerksam zu machen, die von den etablierten und gleichgeschalteten Medien im Lande ignoriert werden. Aber bei uns?

Oder ist es immer so, das man eine Revolution um der Revolution willen macht, um dann zu gucken, was man mit dem gewonnen Freiraum anstellen möchte? Muß wohl.

Und die drängenste Frage zum Schluß: Darf das Ganze mittlerweile nicht mehr einfach nur Spaß machen? Muß ich gleich die Welt retten müssen, wenn ich hier hin und wieder meinen Gedankengängen in narzistischer Weise fröne?

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