Stagehand bei Jan Delay

Lange habt ihr warten müssen; heute habe ich endlich mal Zeit und Muse kurz zu berichten. Wie schon mal erwähnt habe ich letzten Sonntag meine erste große Veranstaltung als Stagehand hinter mich bringen können. Im Großen und Ganzen lief es ja ganz gut. Das Problem, welches den Abend dominierte, war der Umstand, das die Firma, die für die Hands zuständig war, ziemlich klein ist und insofern eigentlich zu wenig Leute hat, um solch große Veranstaltungen über die Bühne zu bringen. Ursprünglich war das Konzert auch für eine 800er Halle geplant, und ist erst drei Wochen vor Beginn in die Ewe-Arena umgezogen. Dadurch ist der Personalaufwand von 6 plötzlich auf 14 Leute angewachsen. Woher nehmen und nicht stehlen? So kam es auch, das viele der Hands nicht nur beim Auf- und Umbau geholfen haben, sondern auch noch den Einlass gemacht und die Eingänge während der Veranstaltung kontrolliert haben. Das heißt keine Zeit für Erholung während des Konzertes, von den Sicherheitsschuhen in das Ordner T-Shirt und wieder zurück. Vom Arbeitspensum her viel zu viel, und ich müsste Lügen, wenn ich sagte, ich hätte nicht mit Müdigkeit zu kämpfen gehabt.

Der Aufbau war dabei noch das Leichteste. Die Roadcrew hat den Aufbau fast allein umgesetzt und im Grunde nur für das Ausladen des LKW´s ein paar Leute gebraucht. Die übrige Zeit war mehr Kaffee trinken und “klön schnack”, wie Big S es immer so schön sagt. Wobei ich es ja immer wieder bemerkenswert finden, wieviel Equipment man in einem handelsüblichen LKW so verstauen kann. Dummerweise habe ich keine Bilder gemacht, es einfach beschreiben wirkt ja nicht so berauschend. Die Jungs haben jedenfalls eine ganze Menge aufgefahren, wobei die Lichttechnik ganz eindeutig überwog (Böse Zungen würden behaupten, muss hier jemand mit der Show von der Musik ablenken?). Während des Aufbaus war die Crew noch ziemlich entspannt, was sich auch während der Veranstaltung fortsetzte. Eigentlich war mir die Crew samt den VIP-Gästen im Backstagebereich sogar zu entspannt. Die haben es nämlich geschafft, alle belegten Brötchen weg zu futtern, die eigentlich für die Abbau-Crew gedacht waren. Nun gut, wieder was dazu gelernt: das nächste Mal, Fressalien für die Leute vom Abbau, gleich irgendwo wegsperren.

Während der Veranstaltung habe ich einen der Zugänge zum Backstagebereich gesichert. Dabei stand ich direkt neben der Bühne, quasi neben dem Monitor-Mann. Zum Glück gab es an dieser Position so gut wie nichts zu sichern, da vor mir noch vier Ordner standen, die die Bühne gesichert haben. Angenehm für mich, so konnte ich mich etwas aus dem Ganzen heraus halten und mir einen netten Abend machen (ich muss gestehen, das Konzert hat mich eigentlich weniger interessiert). Mir taten die Leute leid, die im Graben vor der Bühne ausharren mussten. Die Bässe waren, wie es sich gehört, links und rechts eben-erdig neben der Bühne aufgebaut und ziemlich weit aufgedreht. Einmal bin ich während des Konzertes daran vorbei gelaufen, und muss froh sein, ein Haarband getragen zu haben, sonst würde ich heute noch mit einer Bass-Fön-Frisur herum laufen. Wie haben es die Besucher geschafft, geschlagene eineinhalb Stunden nur 50 cm Meter von den Boxen entfernt durchzuhalten? Vom Gefühl her würde ich ohnehin sagen, die Veranstaltung war zu laut. Ein Kur-Mischer stand da jedenfalls nicht an der Konsole.

Der Abbau war dann hingegen nicht mehr so locker. Zwar blieb der Großteil der Crew auch hier entspannt und konzentriert (ein Zustand, der fast die gesamte Veranstaltung dominierte), allerdings ging es den Verantwortlichen mal wieder nicht schnell genug. Wobei man immer festhalten muss, beim Abbau kann man nie schnell genug arbeiten. Da versuchen alle irgendwie noch ein wenig mehr Tempo herauszuholen. Versuchen kann man`s ja mal. Insofern gebe ich nicht allzu viel auf die Kommentare und gut gemeinten Ratschläge, die im Anschluss noch verteilt wurden. Besonders dann nicht, wenn sich herausstellt, das die Crew selbst noch nicht so viele große Shows durchgezogen hat. Es ist zwar richtig, das Ordner und Hands nicht ein und dieselben Personen sein sollten, allerdings ist das auch eine redundante Information. Dies war uns schon im Vorfeld der Veranstaltung klar, nur, wo hätte man sonst die Leute herbekommen? Routiniers wären auch mit dieser Situation souverän umgegangen, genauso wie mit der großen Zahl “neuer”, die noch nie etwas vergleichbares gemacht haben. Aber gut, es ist halt leichter die Peitsche herauszuholen und dicke Eier zu markieren. Wie sagte Willy Brandt noch so treffend: “Wenn jemand mit der Faust auf den Tisch haut, interessiert das zunächst einmal nur den Tisch…”

Im Anschluss gab es noch ein nettes Jan Delay T-Shirt. Hmm….paßt nicht, ist wohl eher für den Durchschnittsabiturienten geschneidert worden…

Alles in allem eine nette Erfahrung auch wenn ich am nächsten Tag nicht unbedingt alle Sinne beieinander hatte.

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