Free Amp 2

Was sind das immer für Menschen, die derart viel Zeit und Energie in ein Softwareprojekt stecken und es dann kostenfrei ins Internet stellen? Ziemlich nette auf jeden Fall, in diesem Fall auch richtig fähige.

Als Gitarrist ist mir in den letzten Jahren schon einiges an Gitarrenamp Simulationen über den Weg gelaufen. Vom legendären (Hardware gestützen) POD über den (ebenfalls Hardware gestützten) V.Amp bis hin zu reiner Software wie dem Guitar Rig oder Warp VST. Für alle habe ich weit mehr gezahlt als für den Free Amp und nicht alle haben mich so überzeugt. Ja, das Teil klingt und ist sicher für die ein oder andere Produktion, wo die Gitarre nicht im Vordergrund steht, zu gebrauchen. Aber alles der Reihe nach.

Der Free Amp bietet alles, was man von einer Ampsimulation gewohnt ist. Verschiedene Amps und Speaker (die Position des Mikros vor dem Speaker kann variiert werden), diverse Gitarrentypische Effekte (Wah, Chorus, Flange, Auto-Wah, Reverb, Hall, Phaser, Compressor, Gitarrensynth, Noisegate) eine übersichtliche (grafische) Benutzeroberfläche und Sync2Host und Taptempo für zeitbasierte Effekte.

Die Bedienung des Racks läuft, wie man es von realen oder anderen virtuellen Gitarrenracks gewohnt ist. Das Signal kommt vom Host und wird durch Vorverstärker und Effektsektion bis zu den Boxen (der Speakersimulation, um genau zu sein) durchgeschliffen. Dabei stehen 7 verschiedene Amps (jeder mit drei verschiedenen EQ´s) und 6 Cabinets zur Verfügung. Das Signal kann vor oder nach dem Rack (oder vor und nach dem Rack) mit einem Kompressor bearbeitet und durch ein Noisegate geschickt werden. Die Effekte werden als Bodentreter dargestellt und quasi per Maustritt dazugeschaltet. Das Wah-Wah läßt sich über MIDI ansteuern oder per Auto-Wah bedienen. Das Drive-Padel bietet 7 verschiedene Drive-Typen an. Wem das nicht reicht, der schaltet noch einen Guitarsynth dazwischen, mit dem sich dann die richtig abgefahrenen Sachen machen lassen.

Die klangliche Vielfalt ist also enorm. Die Autoren haben darauf verzichtet uns bei den Amps über die Namen an bekannte Vorbilder zu erinnern, wohl auch, weil sie nicht genauso klingen. Damit wird es etwas schwieriger, sich mit dem Plug-In vertraut zu machen (weil man alles neu entdecken muß), dafür wird einiges an Presets mitgeliefert, die für einen ersten Höreindruck ausreichen.
Das Klangergebnis kann sich wirklich hören lassen (ich werde die Tage noch ein paar Beispiele anfügen) und das Spielgefühl ist gut. Der Free Amp scheint nicht ganz so viel Rescourcen zu beanspruchen, weshalb er sich auch für weniger leistungsstarke Maschinen eignet. Allerdings gilt auch hier wieder das Problem, das man die Gitarrenbretter eher nicht so gut hin bekommt (obwohl mit vielen Overdubs und separatem Kompressor müßte eigentlich auch das gehen).

Wenn ich mir überlege, das ich mal für das “Warp VST” aus dem Hause Steinberg 20 € gezahlt habe (irgendein Restposten), hätte ich mich auch gleich an den Free Amp halten können. Mithalten kann er damit alle mal. Für Produktionen, die nicht soviel Gewicht auf den Gitarren haben wird er ausreichen (Soundbeispiele reiche ich nach).

Hier der Link zum Hersteller.

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