Jobs, die man macht…
…oder eben nicht. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich dazu gekommen bin, für eine Instore-Firma bei der Druchführung von Inventuren zu helfen. Wahrscheinlich Geld, was sonst. Warum sonst sollte man mit einem sogenannten Erfassungsgerät bewaffnet durch einen Supermarkt tingeln und Barcodes einlesen, um hinterher eine Nummer dazu zu schreiben (Peep…hack, hack, hack….peep, hack, hack…peep…peep,peep,peep…hack…hack….hack, hack….peep….hack,hack,hack)?
Ja, das liebe Geld, das war der Gedanke und der Grund weswegen ich wieder ging. Aber alles der Reihe nach…
Es gibt Firmen in Deutschland, deren einziger Geschäftszweck besteht darin, Dienstleistungen für Supermarktketten anzubieten. Dazu gehört: Regale rücken, Regale ein- und ausräumen und eben das Durchführen von Inventuren für den Jahresabschluß. Für genau eine solche Firma habe ich gearbeitet. Versteht mich nicht falsch, sicher eine ehrbare Arbeit, wenn auch nicht sehr anspruchsvoll und gewiß nicht einträglich, wenig spaßig und alles andere als entspannend. Kurz gesagt, es ist legal.
Meine Aufgabe bei diesen Inventuren bestand darin, mit einem Gerät durch den Laden zu rennen (ein Supermarkt von der Größe zweier Fußballfelder) das in der Lage war, die Barcodes an den Waren zu lesen, sie einem Regal samt Regalboden zu zuordnen und eine Anzahl zu speichern, die ich außerdem zu ermitteln hatte (eigentlich sollte die Arbeit auf zwei Teams aufgeteilt werden. Ein Team zählt die Waren und die anderen rennen mit diesen Geräten durch den Laden und erfassen die Daten, damit diese dann auch EDV-Konform zur Verfügung stehen. Eigentlich.).
Was ist so schlimm daran? Nichts, rein gar nichts, nicht die kleinste Spur von “Schlimm” zu erkennen dabei. Wenn man darauf steht, 6-8 Stunden täglich zwei bis drei Handgriffe laufend zu wiederholen (solange bis die Sehnen gereizt sind, weil man den Scanner immer in ein- und der selben Position hält). Dabei mit einem Gerät zu kommunizieren, welches nur einen einzigen Ton erzeugen und diesen dann lediglich in zwei Patterns abspielen kann (Peep und Peep, Peep, Peep), sich von den (nennen wir sie einfach mal) Vorarbeitern mit der Personalnummer anreden zu lassen (He, Null-Acht…Hallo, Null-Acht…NULL-ACHT!), nach zirka vier Stunden eine Mahlzeit serviert zu bekommen, die (zumindest aus Sicht eines Vegetarieres) jeder Beschreibung spottet (Kartoffelsalat mit Brötchen, wahlweise trocken oder mit Mineralwasser) und nicht weniger als 2,5 bis 3 Stunden täglich in einem vollbesetzten Reisebus zu verbringen (der einen vom und zum Markt bringt). Nein, versteht mich nicht falsch ich steh auf sowas, bin voll dafür. Ehrlich verdientes Geld, solide Arbeit. Nachts zu arbeiten, war ich als Barkeeper ja gewohnt. Eine Weile kann man das machen. Und wenn das Geld stimmt….stimmt? Naja, bezahlt wurden wir pauschal nach Anzahl der Inventuren. Insofern war man geneigt die Arbeit schnell und zügig zu erledigen. Sollte man zumindest meinen (und war mein vordringlichster Gedanke), allerdings bin ich nie das Gefühl losgeworden, allenthalben von Leuten umgeben gewesen zu sein, die eine impertinente (Meine-) Zeitverschwendungskunst entwickelt haben. Zum Beispiel der Busfahrer:
Schon erstaunlich, das dieser Kerl tatsächlich der Eigentümer des Unternehmens war, das uns befördert hat. Vielleicht auch nicht, rechnen konnte er. Er wurde nämlich für die Fahrten ebenfalls pauschal bezahlt und mußte alle anfallenden Unkosten davon bestreiten. Und was macht ein Spediteur, wenn er kosten Sparen will (also seinen Gewinn maximieren möchte)? Kurze Strecken fahren? Spritsparend fahren? Womöglich Pflanzenöl tanken (weil, weniger Steuern drauf)? Nein, er meidet die Autobahn, weil dort Maut fällig wird. So sah man seine Freizeit schon auf der Hinfahrt am Busfenster vorbeirauschen, während man gutgelaunt mit Tempo achtizig über norddeutsche Bundesstrassen tingelte und pfeifte extatisch Synphonien, während sich auf der Rücktour genau der selbe Anblick bot. Klasse, so macht arbeiten Spaß. Endlich mal wieder grüne Wiesen gesehen! Und meine Fresse, wo kommen all die Windkraftwerke her? So viele neue Ortschaften, deren Existenz sich bisher meiner Kenntnis entzogen (und das zu recht, wie ich finde). Lustig war in diesem Kontext die Erzählung eines Kollegen, der sich bei dem Organisator des Ganzen über unseren Kutscher beschwerte. Im wesentlichen kam dabei raus:”Dem gehört der Laden, der sollte doch eigentlich wissen, was er tut. Was soll ich da noch machen?” Tipp vom Klugscheißer:”Anderer Anbieter, hast doch BWL-Studiert, von wegen Markt; Angebot und Nachfrage, etc…”
A propos: Zeitverschwendung. Liegt es im Bereich des Möglichen, das man bei gleichbleibendem Arbeitsaufkommen durch höheren Arbeitseinsatz unter Umständen die Arbeitszeit verringern kann? Ja, aber nur wenn man nicht auf Kollegen angewiesen ist. Das schöne an der Arbeitswelt ist ja, je schneller man arbeitet, desto mehr Leute ruhen sich auf deinen Mühen aus und erholen sich, während Du deren Job erledigst. Kann mir eigentich egal sein, ob jemand mitarbeitet oder nicht. Was nervt ist der Umstand, das man buckeln kann wie ein Stier und trotzdem nicht voran kommt (sprich, früher den Hammer fallen lassen kann), weil man mal wieder mit wehenden Fahnen voran rennt und schon bald ganz allein auf weiter Flur steht (sich dann umschaut und denkt:”Ich kotz im Strahl!”). Meine Freizeit wäre mir dafür ja zu schade, aber ich habe es auch nie geschafft, die nötige Angestelltenmoral zu entwickeln, um einfach nur Zeit totzuschlagen und andere meine Aufgaben ledigen zu lassen. (vergleich:”Bemühen ist geschudet…).
Eigentlich hätten bei mir ja alle Alarmglocken klingeln müssen, als ich erfahren habe, das die Firma Provisionen für jeden bezahlt, der als Angestellter weitere Mitarbeiter wirbt. Da hat man den Verschleiss quasi mit eingerechnet. Ja, wer mit Bananen zahlt soll sich nicht wundern, wenn Affen für einen arbeiten. Diese Erkenntnis hatte sich wohl schon breit gemacht in diesem Unternehmen. Und Affen machen sich auch gern mal johlend aus dem Staub, wenn ihnen danach ist (zumindest scheint mir das der Blickwinkel dieses Unternehmens gewesen zu sein). Was also macht der gewiefte Unternehmer? Sich um die Mitarbeiten kümmern, die Basics umsetzen? (Antwort redundant…) Komisch das man in der Wirtschaft immer noch auf Akquise setzt, bevor Arbeitsabläufe und Produktpaletten überarbeitet, bzw neuentwickelt oder einfach mal eingestanzt werden. Wenn die Bilanz nicht stimmt, liegt´s definitiv an der Werbung, woran auch sonst? An uns? Was maßt ihr euch an?!
Ja, vielleicht hätte ich in diesem Laden stunk machen und nicht einfach meine Sachen packen sollen. Gewiss, gangbarer Weg. Allerdings habe ich irgendwann den Taschenrechner gezückt und festgestellt, das ich für die drei Tage, die ich dort verbracht habe (die Fahrten miteingerechnet, was wir ausdrücklich nicht sollten, wie man uns immer wieder einzutrichtern versuchte) auf einen Stundenlohn von unter 4,5€ gekommen bin. Dafür engagiere ich mich nicht. Zum Denken bin ich dort ohnehin nicht bezahlt worden, das schließt mitdenken mit ein. Außerdem, warum muß immer ich die Welt retten? Nur weil ich zufällig mal ein paar Semester Politikwissenschaften studiert habe? Nö, macht euren Scheiß allein…
Ich für meinen Teil habe den Job (wie gesagt) nach drei Tagen geschmissen. Ich habe da lieber meinem guten Kumpel Gertken bei seinem Umzug nach Berlin geholfen, das war zwar alles andere als einträglich (immerhin drei Bier), dafür war das Arbeitsklima um Längen besser, die Aufgabe anspruchsvoller (ja wirklich, selbst beim Kisten schleppen in den vierten Stock war mehr geistiges Potenzial von nöten) und die Verpflegung geradezu eine kulinarische Delikatesse (Pizza, vom Bringdienst…geil!).
A propos. Braucht noch jemand eine helfende Hand?
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