Fragmentierung?! Was und wieso

geöffnete FestplatteEin wichtiger Aspekt für jemanden, der seinen Rechner für die regelmäßige Arbeiten oder gar beruflich nutzt (und der Computermusiker macht hier keine Ausnahme) ist die Wartung. Ohne Wartung kackt uns die Möhre garantiert früher oder später ab. Ein Beutteil eines jeden Rechners ist sicher die Festplatte und neben ausreichend Platz müssen die Daten hier auch schnell verfügbar sein. Es macht also Sinn unsere Festplatten regelmäßig zu defragmentieren.

Die Daten auf der Platte

Der unerfahrene Nutzer wird vielleicht nicht ganz genau nachvollziehen können, wovon hier die Rede ist, deshalb mal kurz eine kleine Erklärung zur Speicherung von Daten auf einer Festplatte. Man muss wissen, das die Anordnung der Daten auf einem Datenträger nicht annähernd so hübsch und übersichtlich ist, wie uns die Betriebssysteme mit ihren Dateiansichten gern glauben machen. Ganz im Gegenteil, auf der Festplatte herrscht meist ein mittleres Chaos. Wie kommt das zustande? Computer beschreiben Datenträger stets von innen nach außen, dabei suchen sie die Festplatte nach freien Platz ab und schreiben ihn voll. Das geht wunderbar, solange der Datenträger frisch ist und alle Daten, die auf die Platte geschrieben wurden nicht wieder gelöscht werden. Was, wie wir alle aus der täglichen Arbeit wissen, nie der Fall ist. Durch das Löschen von Daten werden immer wieder Lücken frei, die der Rechner beim Speichern neuer Daten sogleich wieder befüllt. Er geht beim Schreiben neuer Daten, wie schon mal erwähnt, immer von innen nach außen vor und schreibt da, wo gerade Platz ist. Wird der Platz knapp, an der Stelle wo der Rechner gerade schreiben will, dann werden die Daten einfach aufgeteilt und eine neue Stelle gesucht, wo gerade etwas frei ist (und ist auch hier die zu speichernde Datenmenge größer, als der Platz werden die Daten eben ein weiteres mal aufgeteilt.), die Dateien liegen also in Stückchen auf der Festplatte (die Daten “fragmentieren”).

Was ist so schlimm daran, wenn die Festplatte fragmentiert?

Erst einmal nichts. Wenn die Daten wieder gebraucht werden, sammelt der Rechner (genauer, der Festplatten Controller) die Daten wieder ein, fügt also die einzelnen Fragmente wieder zusammen und stellt sie bereit. Bei stark fragmentierten Festplatten kann dies aber eine gehörige Anzahl von Bewegungen des Schreib-/Lesekopfes bedeuten. Normalerweise (oder sagen wir besser im Idealfall) werden die Daten auf der Festplatte gefunden und von Anfang bis Ende ausgelesen. Sind die Daten zersplittert, muss der Lesekopf laufend von einem Punkt auf der Platte zum nächsten weiter bewegt werden, dadurch geht Zeit verloren. Zeit in der nichts ausgelesen wird, Zeit also in der man auf die Daten warten muss. Dabei sollte man immer im Hinterkopf haben, wie viel Platz Audiodaten auf der Festplatte beanspruchen (ca. 10 MB pro Minute bei CD-Qualität, siehe auch Beispiel bei Widipedia.de). Lange Rede kurzer Sinn: stark fragmentierte Festplatten bremsen unser System aus. Bei Musikanwendungen führt dies mitunter zu richtigen Problemen, da wir uns mit Speicherintensiven Anwendungsfeldern befassen. Eine Produktion mit vielen Spuren wiederzugeben (jede Spur entspricht mindestens einer Audiodatei) wird für die Festplatten schwieriger, je stärker die Daten fragmentiert sind (dazu noch weitere Spuren aufzunehmen wird dabei gewiss nicht leichter). Auch das Berechnen von Wellenansichten wird länger dauern, das diese aus den .wav Files berechnet werden. Aber auch Virtuelle Instrumente, die die sogenannte Disk Streaming Technik verwenden können unter Umständen nicht mehr richtig funktionieren, besonders, wenn die Latenzzeit sehr niedrig eingestellt ist.

Was kann man gegen fragmentierte Festplatten unternehmen?

Windows-User haben es da leicht (ich denke für die Macianer gibt es ähnliche Funktionen). Windows bringt ein Defragmentierungstool mit, das man bei täglicher Rechner Benutzung (auch wenn man nicht Musik mit dem Rechner macht) ungefähr einmal im Monat durchlaufen lasen sollte. Man gelangt zu diesem Tool, wenn man auf dem Arbeitsplatz das Kontextmenü eines Laufwerks aufruft (rechte Maustaste) und die Eigenschaften öffnet. Auf dem Reiter Extras befindet sich ganz untern ein Schalter, der zum Defragmentierungstool führt. Hier kann man einmal einen Test durchlaufen lassen und schauen, wie es um die Festplatte bestellt ist (alles schön bunt und recht leicht verständlich). Nach der Prüfung gibt uns Windows den Tipp, ob die Platte defragmentiert werden sollte oder nicht.

Als eingefleischter Oldenburger komme ich natürlich nicht umhin auch noch eine andere Möglichkeit der Festplattenwartung aufzuzeigen. Die Oldenburger Firma “Ashampoo” hat nämlich ein nützliches kleines Tool im Angebot, welches diese Arbeit (also das defragmentieren) im Hintergrund erledigt, und zwar immer dann, wenn Rechnerkapazität frei ist. Sprich: Niemand am Rechner arbeit. Das Tool heißt “Magical Defrag” und kostet um die 15.- €. Die erste Version des Programms läuft schon seit einigen Monaten auf meiner DAW und verrichtet völlig unbemerkt seinen Dienst. Die zweite Version ist auch bereits erschienen, das lässt mich vermuten, das es noch mehr User gibt, die diese Tool für nützlich befunden haben. Aus meiner Sicht jedenfalls eine lohnende Anschaffung.

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