Creative Common Liezenz: Was und wozu?

Wir alle kennen mittlerweile open-source Software und den Gedanken, der dahinter steht. Eine Gruppe von Leuten (oder auch nur ein Einzelner) sucht eine Möglichkeit seinen Nutzern kostenfrei seine Arbeit zur Verfügung zu stellen, ohne alle seine Urheberrechte an dieser Arbeit (und damit die Kontrolle darüber, wie das Werk genutzt wird) aufzugeben.

Um dies zu erreichen gibt es einige Lizenzmodelle, die dem Autor (hier von Software) die Möglichkeit geben die Verwertung und Verwendung seines Quellcodes zu steuern (vergleiche: GNU). Meistens läuft es in der Form ab, das der Urheber die Software (samt Quellcode) zur freien Verfügung (und auch zur Veränderung bzw. Weiterentwicklung) ins Netz stellt, mit der Bedingung, das sein Werk und davon abgeleitete Bearbeitungen ebenfalls frei zugänglich sein müssen (sowie das Original für den Nutzer, ebenfalls samt Quellcode). Der Unterschied zur Gemeinfreiheit (oder Public Domain) ist der, dass auf gemeinfreien Werken grundsätzlich keine Urheberrechte lasten. Die Verwendung und Bearbeitung bedarf keiner Lizenzierung, im Gegenteil: Bearbeitungen von gemeinfreien Werken sind wiederum Urheberrechtlich geschützt. (Wobei festzuhalten ist, das Gemeinfreiheit ein Zustand ist, der grundsätzlich (zumindest in Deutschland) erst 70 Jahre nach dem Tot des Autors eintritt, GNU und ähnliche Konzepte Lizenzmodelle darstellen, die für Werke quicklebendiger Autoren gelten, die nur auf einen Teil ihrer Urheberrechte (wie dem Verwertungsrecht) verzichten wollen.)

Wozu schreibe ich das? Nun das Konzept von Copyleft oder “Some rights reserved” (so die gängigen Termini) wird mitlerweile auf andere Bereiche urheberrechtlich relevanter Arbeiten (Text, Musik, Bild, Film) ausgedeht, mit dem Ziel die Verbreitung von freien Inhalten insbesondere im Netz zu fördern und auszuweiten. Das Stichwort ist: die Creative Commons Liezenz.

Creative Commons ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die sich dem oben beschriebenen Gedanken verschrieben hat und Lizenzmodelle für diesen Zweck entwickelt. Desweiteren ist sie bemüht, frei zugängliche Inhalte möglichst umfassend zu katalogisieren. Die Creative Commons Gesellschaft geht auf die Initiative des Juristen Lawrence Lessing zurück, der begann juristisch einwandfreie Modelle zu entwickeln, die zunächst für die amerikanische Rechtslage gedacht, mittlerweile auch für viele andere Staaten und deren Rechtssysteme überarbeitet wurden.

Warum das ganze Geschwafel? Nun, mir ist aufgegangen, wie gut sich dieser Gedanke (der ursprünglich aus der open-source Bewegung stammt) für Musiker, Komponisten und Texter eignet. Insbesondere für solche, die am Anfang ihrer Karriere stehen, nicht vorhaben Geld mit ihren Arbeiten zu verdienen oder einfach nicht glauben, das es möglich ist Geld für ihr Tun zu bekommen. Besonders gut geeignet ist es natürlich für Menschen, die über ihr Schaffen mit anderen Kreativen in Kontakt treten wollen, sei es, um sich einfach nur über die Werke auszutauschen (was auch bisher ohne weiteres möglich war) oder gemeinsam an der Verfeinerung der Arbeiten zu werkeln. Denn dafür sind diese Modelle ja gedacht.

Wie läuft das im Einzelnen ab? Auf der Seite des deutschen Ablegers der Creative Commons Bewegung gibt es die Möglichkeit ein Modell für die Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Material zu entwerfen (also eines auf das persönliche Werk zugeschnittene), wobei es im wesentlichen zwei Faktoren gibt. Die kommerzielle Nutzung erlauben (zutreffendes bitte ankreuzen) und den Grad der erlaubten Veränderbarkeit eines Werkes. Dabei geht es ersteinmal darum, ob eine Veränderung überhaupt zulässig ist. Danach zu welchen Bedinungen diese Veränderung gestattet ist. Der Urheber hat hier die Möglichkeit, zu bestimmen, das alle Veränderung des Werkes nur unter den gleichen Lizenzbedingungen veröffentlicht werden dürfen. Eine Verwendung für Nicht-Kommerzielle Zwecke in Verbindung mit einer Bearbeitung, die ebenfalls nur unter den Bedingungen des Ursprungswerkes erfolgen darf, entspricht dann eins zu eins dem Vorgehen, die viele Programmierer für ihre Programme verfolgen. (Siehe ersten Absatz)
Wozu aber mag es gut sein, seine Arbeiten unter der Creative Commons Lizenzu zu veröffentlichen, abgesehen von dem tollen Gefühl das jeden Kreativen beschleicht, wenn er Aufmerksamkeit bekommt? Von Applaus allein Zahlt niemand seine Miete, oder?!

Zweifelsohne richtet sich dieses Konzept vorwiegend an Menschen, die einem bestimmten Hobby frönen und sich darüber freuen können, wenn sich jemand mit ihrem Schaffen auseinandersetzt und sich vielleicht sogar die Mühe macht, eine Bearbeitung anzufertigen und diese wiederum zu veröffentlichen. Anderseits habe ich den Eindruck, das (zumindest im Augenblick, wo dieses Modell noch nicht allzu weit verbreitet ist) viele Künstler dieses Lizenz-Modell auch ganz explizit nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen.

Ein Beispiel ist sicher die Braunschweiger Band Jammin-Inc. Die Band spielt, komponiert und produziert auf einem erstaunlich hohen Niveau (kein Wunder ist doch ein Großteil der Band längst fest im Musikgeschäft verwurzelt), haben sich aber dennoch entschlossen ihre Produktionen unter der CC zu veröffentlichen (obwohl sie sicher die Möglichkeiten gehabt hätten ein Label zu finden). Was passiert ist bemerkenswert. Um die Band herum tummeln sich plötzlich nicht nur Menschen, die die Musik gut finden, sondern auch Leute, die Spaß dran haben selbst ein wenig kreativ zu sein und das Material der Band zu bearbeiten. Nebenbei wird GEMA-freie Musik auch gern für Internet-Radio benutzt. Der Grad der Aufmerksamkeit erhöht sich, in dem Maße, wie viel die Urheber an Material bereitzustellen sind. Eine gut produzierte Drumspur kann jeder zwischendurch gebrauchen und besorgt sie sich vielleicht bei Jammin-Inc (wobei ich jetzt nicht weiß, ob diese bei dieser Band separat zu bekommen sind, tendenziell wird es aber so funktionieren). Platt gesagt, billige Werbung. Allerdings eine Form von Werbung, die nicht einfach nur einlullt, sondern animiert selbst aktiv zu werden. Werbung für ein Produkt durch das Produkt selbst. Mittlerweile (die Band ist recht jung, gerade erst zwei Jahre alt geworden) spielt die Combo recht interessante Gigs und kann ihren Bekanntheitsgrad weiter erhöhen. Auf kurz oder lang werden die Gigs sicher auch besser bezahlt (oder überhaupt bezahlt) und die Musiker können dann vielleicht schon mal die Telefonrechnung davon bezahlen. (Man fängt ja klein an.)
Diese Form von Werbung (also auf Teile seiner Rechte zu verzichten, um den eigenen Bekanntheitsgrad zu erhöhen) hat es schon vorher gegeben. So haben die Black Crowes am Anfang ihrer Karriere die Fans ermuntert Live-Mitschnitte ihrer Gigs anzufertigen und diese mit gleichgesinnten zu tauschen (sogenannte: Bootlegs). Damals (bevor bereits jeder einen CD-Brenner besaß) eine gute Möglichkeit Fans an sich zu binden und die Verbreitung der Musik gleich mit. (Als die Band später zusammen mit Jimmy Page Led Zepplin Songs gecovert haben, mußte auf die Plakatankündigungen gedruckt werden, das diese Konzert nicht mitgeschnitten werde dürfen. Wohl auch, weil ein Live-Album dieses Konzerts in der Planung war). Da Bootleger meist auch Vollblut-Musikfans sind, haben sie in der Regel auch sämtliche regulären Veröffentlichungen im Haus, fiskalisch gesehen also keine dumme Entscheidung der Band (zumindest damals).
Um wieder auf den Teppich zu kommen. Wenn ich mir die Entwicklung der Black Crowes so anschaue und mir dann überlege, wie schwer sich einige Musiker auch heute noch damit tun, etwas von ihrem Schaffen preis zu geben (Vergleiche:”Hilfe, das wird mir vielleicht geklaut.”) und wie sehr sie in dem Wust der gängigen Verwertungskette festhängen (Vergleiche:”Ich muß GEMA-Mitglied sein, damit ich Urheberrechte gelten machen kann.”), wäre es vielleicht hilfreich auch in die Richtung von kostenfreien Content zu denken. Es kann, wie gesagt funktionieren, wenn man nicht davon ausgeht, das man mit dem Verkauf von Musik Geld verdient, sondern eher als Live-Musiker mit eigenen Stücken (oder man ist so gut, das irgendwann Unternehmen auf einen zukommen und die Musik kommerziell nutzen möchten, zum Beispiel für Werbung. Was eher selten der Fall sein dürfte aber auch denkbar ist.) Ich habe immer wieder das Gefühl, das das Publikum eher bereit ist für einen Abend mit Live-Musik zu zahlen, als den selben Inhalt als CD-Gepresst zu Hause (ja, das sind zwei Paar Schuhe.). Worauf ich hinaus will ist: Mir scheint es als sollte man sich bei Musik und Geld eher auf die Live-Musik verlagern und versuchen seine Kompositionen einfach bekannt zu machen, um später über bezahlte Gigs die Unkosten wieder herauszuholen. Anstatt auf ein Label zu hoffen, das mit viel Geld im Hintergrund (haben eh nur eine halbe Hand voll), einen Künstler aufbauen (und auch schnell wieder fallen lassen, wenn die Performance nicht stimmt. Wobei hier nicht die Live-Performance gemeint ist.)

Für alle die Neugierig geworden sind. Hier das Link zum deutschen Ableger:

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